Bayerische Staatsbibliothek präsentiert die Weltchronik des Hartmann Schedel
Im Rahmen des Projekts #StabiLiebling zeigt die Bayerische Staatsbibliothek am 11. und 12. November 2026 ein Meisterwerk des frühen Buchdrucks – die 1493 in Nürnberg erschienene Weltchronik des Hartmann Schedel.
Unter dem Motto "Ein Spitzenstück. Zwei Tage. Ganz nah." macht die Bayerische Staatsbibliothek Besucherinnen und Besuchern Spitzenstücke des schriftlichen und visuellen Kulturerbes der Menschheit, die sonst sich in Magazinen und Tresoren gehütet und bewahrt werden. Aufgrund strenger konservatorischer Vorgaben sind diese Schätze nur sehr selten öffentlich zu sehen.
Die Schedelsche Weltchronik erschien 1493 in Nürnberg in der lateinischen Ausgabe als Liber Chronicarum und wurde noch im selben Jahr in einer deutschen Übersetzung veröffentlicht. Ihren Namen verdankt sie dem Nürnberger Arzt und Humanisten Hartmann Schedel (1440–1514), der den Text aus einer Vielzahl antiker und mittelalterlicher Quellen zusammenstellte.
Den Druck dieser Inkunabel übernahm Anton Koberger, einer der berühmtesten Drucker Europas. Als Geldgeber des ambitionierten Buchprojekts traten die Nürnberger Kaufleute Sebald Schreyer und Sebastian Kammermeister auf. Für die zahlreichen Illustrationen waren die Künstler Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff mit ihrer Werkstatt verantwortlich. Mehr als 1.800 Holzschnitte veranschaulichen biblische Ereignisse, historische Persönlichkeiten, Herrscherfolgen, Städte und Landschaften.
Universalgeschichte in Bildern
Inhaltlich folgt die Weltchronik der mittelalterlichen Vorstellung einer Universalgeschichte. Die Geschichte der Menschheit wird in sieben Weltaltern erzählt – von der Schöpfung über die biblische und antike Geschichte bis in die Gegenwart des späten 15. Jahrhunderts. Dabei verbindet Schedel religiöse Überlieferungen mit historischem Wissen, geographischen Beschreibungen und zeitgenössischen Nachrichten.
Ein Zeugnis des Epochenwandels
Die Chronik spiegelt den Übergang vom mittelalterlichen Weltbild zum Humanismus der Renaissance wider: Neben der christlichen Heilsgeschichte treten das Interesse an der Antike und an der Geographie sowie das Bestreben nach einer möglichst umfassenden Wissenssammlung in den Vordergrund. Ihre herausragende Bedeutung liegt nicht nur im Inhalt, sondern auch in ihrer kulturellen und technischen Leistung. Das Zusammenspiel von wissenschaftlichem Anspruch, künstlerischer Qualität und drucktechnischer Innovation macht sie zu einem Meilenstein der europäischen Buch- und Kulturgeschichte sowie zu einem eindrucksvollen Zeugnis des Übergangs vom Mittelalter zur frühen Neuzeit.
Die Bayerische Staatsbibliothek präsentiert hier das mit zahlreichen bedeutenden Beigaben und handschriftlichen Einträgen reich ausgestattete persönliche Exemplar Hartmann Schedels.
Alle weiteren Informationen zur Weltchronik und ihrer Präsentation findet ihr auf der Webseite der Bayerischen Staatsbibliothek.