Überlebenskampf im hohen Norden: ›Escape – Vermächtnis der Wikinger‹ (2012)
Tobias Enseleit
Norwegens Wildnis im 14. Jahrhundert: Zwei junge Mädchen müssen auf der Flucht vor einer skrupellosen Räuberbande um ihr nacktes Überleben kämpfen. Roar Uthaugs ›Escape – Vermächtnis der Wikinger‹ verbindet geläufige Mittelalterklischees mit einem rasanten Katz-und-Maus-Spiel.
Hinweis: Die Rezension beinhaltet KEINE inhaltlichen Spoiler.
Das Mittelalter war eine raue Zeit. Dass muss auch die junge Signe am eigenen Leib erfahren, als eine mordlüsterne Bande ihre gesamte Familie ermordet. Nur sie wird von Dagmar, der Anführerin, verschont. Im Lager der Bande lernt sie die kleine Frigg kennen, die dort ebenfalls gegen ihren Willen als Dagmars Ziehtochter festgehalten wird. Die beiden Mädchen fliehen gemeinsam, und eine erbarmungslose Verfolgungsjagd beginnt.
Böse Mordgesellen sind hinter Frigg und Signe her, die sich mit allem wehren, dessen sie habhaft werden können.
›Escape – Vermächtnis der Wikinger‹ ist vor allem eines: knackig inszeniert. Die Verfolgungs- und Kampfszenen sind auf den Punkt und finden in sehenswerten Landschaftsaufnahmen statt. Obgleich die Handlung sehr dünn ist, reichts sie zur Kontextualisierung der Hetzjagd mehr als aus. Gängige Mittelaltermotive wie die Pest, Hexenprozesse und (sexualisierte) Gewalt (gegen Wehrlose) betten eine Handlung, die genauso gut in jedem anderen Setting hätte spielen können. Das Mittelalter wird hier zur austauschbaren Kulisse.
Das macht aber nichts, denn insbesondere die beiden überzeugenden jungen Darstellerinnen Isabel Christine Andreasen und Milla Olin sowie Ingrid Bolsø Berdal als recht tiefgründig angelegte Bandenführerin Dagmar gewährleisten, dass der Film inhaltlich ein ordentliches Niveau halten kann. Dabei kennt ›Escape – Vermächtnis der Wikinger‹ aufgrund des rasanten Erzähltempos keine Längen und bringt die schlichte Handlung souverän und ohne viel Umwege zu einem befriedigendem Ende.
Unwirtlich und schön: Die Landschaftsaufnahmen sind der heimliche Protagonist des Films.
Hinzuweisen ist jedoch, dass der deutsche Untertitel des Films lediglich ein Clickbait ist. Zwar spielt die Handlung in Norwegen, der einzige "echte" Wikinger ist jedoch lediglich Darsteller Tobias Santelmann, den Serienkenner in seiner Rolle als Ragnar Ragnarson in ›The Last Kingdom‹ kennen.
Abseits davon ist ›Escape – Vermächtnis der Wikinger‹ ein sehenswerter Film für alle, die rasante Produktionen mögen, auf eine komplexe Handlung verzichten können und vor expliziten Gewaltdarstellungen nicht bange sind.