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Kloster Eberbach und Abtei St. Hildegard

Rheinland-Pfalz steht aktuell mit der großen Mainzer Landesausstellung ›Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht: Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa‹ und zahlreichen Korrespondenzorten über die Landesgrenzen hinweg im Zeichen des Mittelalters. Wir haben uns auf die Reise in die Vergangenheit begeben und möchten euch diesen Monat zwei Orte monastischen Lebens ans Herz legen.



Unweit von Mainz liegt nördlich des Rheins das bekannte Kloster Eberbach, eine ehemalige Zisterzienserabtei, die im Jahr 1136 auf die Bestrebungen Bernhards von Clairvaux gegründet und bis 1803 von Mönchen betrieben wurde. Heute ist die Anlage ein beliebtes Ziel für Touristen; hier finden Events statt, es wird Wein angebaut und vertrieben, und Übernachtungen sind genauso möglich wie ein Einkauf im Klosterladen. Auf diese Weise kann die sehenswerte Anlage in ihrer Pracht erhalten bleiben, die so dazu einlädt, ein „echtes“ Kloster (in seiner Bausubstanz im Übrigen natürlich nur noch zum Teil mittelalterlich) zu erkunden.



Und dieses Kloster ist jede Erkundung wert: Vom Kreuzgang, zum Kapitelsaal (Versammlungssaal der Brüder) und dem Armatorium (in dem das geistliche Rüstzeug wie liturgisches Gerät und insbesondere Bücher verwahrt wurden), über die Klosterkirche, bis hin zum Refektorium (Speisesaal) und Dormitorium (Schlafsaal) lässt sich die Anlage (beinahe) komplett erschließen.



Populärkulturelle Bekanntheit hat Eberbach zudem als Drehort eines der bekanntesten Mittelalterfilme erlangt: ›Der Name der Rose‹ (Frankreich / Deutschland / Italien 1986; Regie: Jean-Jacques Annaud) mit Sean Connery und Christian Slater wurde ausgehend von der berühmten Buchvorlage Umberto Ecos teilweise in Eberbach gedreht. Filmfans werden mit Sicherheit einiges wiedererkennen.



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Von links nach rechts: Blick aus dem Kreuzgang, Kirchenschiff und Kapitelsaal.



Weitere Informationen finden sich auf der Webseite zum Kloster Eberbach, einen virtuellen Rundgang gibt es für alle, die es in absehbarer Zeit nicht in persona dorthin schaffen, hier.



In unmittelbarer Nähe (bzw. etwa 20 Autominuten entfernt) liegt inmitten von Weinbergen ebenfalls am Rhein und oberhalb der kleinen Stadt Rüdesheim die Abtei St. Hildegard, das Nachfolgekloster der Klöster auf dem Rupertsberg und in Eibingen. Die dort lebenden Benediktinerinnen tragen das monastische Erbe der Hl. Hildegard von Bingen bis heute weiter.



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Die Benedikterinnenabtei St. Hildegard bei Rüdesheim.



Auch wenn es auf den ersten Blick anders erscheinen mag: Die Abtei ist kein mittelalterliches Gebäude, sondern wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts im neoromanischen Stil errichtet. Damit ist sie gleichzeitig eines von vielen sehenswerten Beispielen von Mittelalterrezeption früherer Generationen. Nicht nur ist die Anlage sehr sehenswert und laden die umliegenden Wege durch die Weinberge zum Wandern ein, St. Hildegard ist – anders als etwa Eberbach – insbesondere deshalb erwähnenswert, weil es noch von Schwestern geführt wird.



Heute leben mehr als 50 sorores unter der Leitung von Mutter Dorothea (der 40. Nachfolgerin der Hl. Hildegard) in der Abtei, die dazu einladen, ihre Lebensweise kennenzulernen. Einerseits verfügt die Abtei über ein Gästehaus, in dem man auf Zeit vertieft am monastischen Leben teilhaben kann, andererseits besteht für alle Besucher die Möglichkeit, an den Gebetszeiten der Schwestern teilzunehmen. Die neoromanische Kirche ist nicht nur Ort der Einkehr, des Gebets und des Gottesdienstes, sondern bringt Besuchern – unter anderem durch das Bildprogramm – auch das Leben und Wirken der Hl. Hildegard näher.



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Ein netter Klosterladen und insbesondere das integrative Café runden einen Besuch ab. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der Abtei.