Eine Reise am Fluss entlang: ›Die schönsten Kathedralen am Rhein‹ von Barbara Schock-Werner
Tobias Enseleit
Zu einer Entdeckungsreise lädt das bildreiche Büchlein ›Die schönsten Kathedralen am Rhein‹ von Barbara Schock-Werner ein, das dieses Jahr im Greven Verlag erschienen ist. Die Gebiete um den Rhein waren schon in der Frühzeit kulturelle und gesellschaftliche Hot Spots, und auch im Mittelalter bildeten Städte wie Basel, Konstanz, Speyer oder Köln bedeutende Zentren, die bis heute insbesondere durch ihre Sakralbauten bestechen.
Insgesamt neun Gotteshäuser lassen sich Barbara Schock-Werners Buch, die bis 2012 Dombaumeisterin in Köln war und seit 2024 den Vorsitz des Zentral-Dombau-Vereins zu Köln von 1842 innehat, entdecken: vom Baseler Münster und Unserer Lieben Frau in Konstanz im Süden, über den Dom St. Maria und Stephan in Speyer, St. Peter in Worms und das Straßburger Münster bis hin zum Kölner Dom im Norden.
Die einzelnen Kathedralen werden dabei jeweils in einem architektonischen Rundgang vorgestellt, dem eine kurze historische Einordnung vorangestellt ist. Auf diese Weise erhalten Leserinnen und Leser die wichtigsten Eckdaten der Entstehungskontexte und in der Folge zahlreiche Einblicke in die architektonischen Besonderheiten und die dahinter liegenden Weltvorstellungen.
Und das ist überaus anschaulich, insbesondere wegen der reichen und wunderschönen Bebilderung, die dem Architekturfotografen Florian Monheim zu verdanken ist. Die Bilder inszenieren nicht nur die jeweiligen Bauwerke in Gänze und schöne Details wie etwa miniatürliche Darstellungen an Kapitellen, sie bieten auch mitunter spannende Perspektiven auf die Gebäude, die sich bei einem „normalen“ Besuch der Kathedralen nicht ergeben. So lassen sich die Kirchen auf vom heimischen Sofa aus entdecken.
›Die schönsten Kathedralen am Rhein‹ versteht sich als Einführungsbändchen. Aufgrund dieses Anspruchs bleiben Einzelaspekte oder tiefergehende Erläuterungen folgerichtig aus. Wenn wir etwa die wunderbaren Reliefplatten, welche die Tür am Westportal des Konstanzer Münsters zieren, entdecken, so müssen wir uns die einzelnen Bildprogramme selbst erschließen. Vor diesem Hintergrund ist das Buch in Detailfragen einigermaßen voraussetzungsreich.
Ein Nachteil? Das ist abhängig von der Vorerfahrung und dem Detailinteresse der Leserinnen und Leser. In jedem Fall gelingt es dem Band, auf die Kathedralen am Rhein neugierig zu machen. Denn die Entdeckungsreise im Buch sollte auf jeden Fall durch eine Entdeckungsreise vor Ort vertieft werden – und dafür schafft die Lektüre prima Voraussetzungen.
›Die schönsten Kathedralen am Rhein‹ ist 2025 im Greven Verlag erschienen.