Reise ins Frühmittelalter: Quedlinburg
Tobias Enseleit
Nördlich des Harzes liegt in Sachsen-Anhalt die pittoreske Stadt Quedlinburg, die unter den Ottonen ab dem 10. Jahrhundert zu einem der wichtigsten politischen und kulturellen Orte nördlich der Alpen avancierte und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Insbesondere der im Jahr 919 durch die Akklamation von Sachsen und Franken zum König erhobene Heinrich I. ließ Quedlinburg, das er zu seiner letzten Ruhestätte erkor, die noch heute besuchbar ist, größte Bedeutung zukommen.
Die ehemalige Stiftskirche St. Servatius thront noch heute auf dem Stiftsberg weithin sichtbar über Quedlinburg.
In der Folge und auf Bestreben von Heinrichs Frau Mathilde wurde auf dem heutigen Stiftsberg ein den Heiligen Dionysios und Servatius geweihter Damenstift errichtet, dessen Bewohnerinnen sich vor allem der Memoria, dem Totengedenken Heinrichs widmen sollten. Auch Heinrichs Söhne und Nachfolger, unter ihnen der berühmte Otto I., der erst die deutschen Stämme gegen die Ungarn vereinte und später die römische Kaiserwürde erhielt, besuchten Quedlinburg zu hohen kirchlichen Fest- sowie Hoftagen und zeigten damit, dass der Ort nach wie vor im Zentrum der Macht lag.
Noch heute zeugt der Stiftsberg durch seine eindrucksvolle Bebauung und die Grablegen ottonischer Familienmitglieder von der mittelalterlichen Pracht und Bedeutung Quedlinburgs. Die Stadt unter dem Stiftsberg ist selbst ein kleines Juwel, das im Kern durch eine hinreißende Architektur, gute Gastronomie und niedliche Lädchen besticht.
Die Quedlinburger Innenstadt lädt durch Restaurants, Cafés und kleine Läden zum Verweilen ein. Im Bild das alte Rathaus, das links von einem Roland bewacht wird.
Als Teil der sog. Straße der Romanik, an der sich von Naumburg im Süden bis Magdeburg im Norden unzählige Kulturstätten des Mittelalters aneinanderreihen, lohnt Quedlinburg in jedem Fall einen Besuch – insbesondere für alle, die sich für das Mittelalter im Allgemeinen und die Ottonen im Speziellen interessieren.