›Medieval Dynasty‹: Reise ins digitale Mittelalter
Theresa Bayer
›Medieval Dynasty‹ (2021) verspricht einen Genre-Mix aus Survival-, Simulations-, Strategie- und Rollenspiel mit mittelalterlichem Setting. Ich war überaus skeptisch, denn ich konnte mir nicht vorstellen, wie eine Vermischung so vieler Genres gut gelingen kann. Da ich am ersten Tag meiner langersehnten Weihnachtsferien aber ohnehin nichts mit mir anzufangen wusste, habe ich den Kaufbutton gedrückt – und der Rest ist Geschichte. In den kommenden drei Wochen hat mich außer meinem Mann und unseren beiden Katzen quasi niemand mehr zu Gesicht bekommen. Natürlich habe ich bei einer Redaktionssitzung meine Eindrücke geschildert und hier sitze ich nun, konfrontiert mit der Aufgabe, ein so komplexes Spiel auf die wichtigsten Elemente herunterzubrechen und eine Rezension für euch zu verfassen (bitte mit schönen Screenshots!).
›Medieval Dynasty‹ ist ein 2021 erschienenes Spiel von Toplitz Production, das einen Genre-Mix aus Survival-, Simulations-, Strategie- und Rollenspiel bietet. Versprochen wird ein „realistisches Erlebnis“, angesiedelt vor dem Hintergrund des mittelalterlichen Europas (um 1000).
Ich habe mich dazu entschieden, das Unterfangen in zwei Teile zu gliedern. Diejenigen von euch, die nur meine Einschätzung von ›Medieval Dynasty‹ lesen wollen, können zum Fazit springen. Alle anderen können einen Spiel- oder Erfahrungsbericht lesen, der euch insbesondere die Spielmechaniken erklären und eine Art Tutorial sein soll, das euch die ersten Schritte erklärt. Es ist nicht möglich, hierbei alle Aspekte abzudecken, aber vorab sei schon einmal verraten, dass es riesigen Spaß macht, sich das Spiel selbst zu „erarbeiten“. Versprochen!
Bis ihr vom Pferderücken aus euer eigenes Dorf im Herbstnebel überblicken könnt, wird es einige Zeit dauern, in der ihr Bäume fällen, Handel treiben, Gemüse anbauen und euch um das Wohlergehen eurer wachsenden Anzahl von Dorfbewohnern kümmern müsst.
›Medieval Dynasty‹ – Die Geschichte
Worum geht es in ›Medieval Dynasty‹ überhaupt?
Die Geschichte ist schnell erzählt: Der Protagonist, ein junger Mann namens Racimir, in dessen Rolle ihr fortan schlüpft, ist ein unbescholtener Bauernsohn. Die tägliche Arbeit ist hart, und doch arbeitet er fleißig, damit er und seine Familie ein bescheidenes Leben führen können. Dann aber bricht der Krieg über das kleine Dorf herein, und Racimir bleibt nur die Flucht…
Sein Weg führt ihn in den friedlichen Norden des Landes, wo sein Onkel Iordan zu Geld gekommen sein soll. Als er das kleine Dorf Gostovia erreicht, erhält er vom dort lebenden Kastellan die Erlaubnis, sich im Tal niederzulassen und selbst ein Dorf zu gründen.
Im Südosten der Spielwelt, umgeben von Wasser, Wald und Gebirge, liegt Gostovia. Neben den Hauptquestgebern findet ihr hier auch diverse Händlerinnen und Händler, die nützliche Waren feilbieten. Am Lagerfeuer des Dorfes könnt ihr mit Reisenden in Kontakt treten – vielleicht ist euer erster Dorfbewohner darunter oder wenigstens eine reizende Dame für einen kleinen Flirt.
Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück…
Eure erste wichtige Aufgabe besteht nun darin, eine Entscheidung zu treffen: Wo wollt ihr siedeln? Die Karte bietet hierfür unendlich viele, wunderschöne Orte an. Einige davon liegen direkt am Wasser, andere am Waldrand, wieder andere in der Nähe von Höhlen, manche abgelegen oder – im Gegenteil – wunderbar zentral. Da fällt die Wahl wirklich schwer!
Die Karte bietet eine Vielzahl an wunderschönen Orten, an denen ihr euch niederlassen könnt. Je zentraler die Lage, desto kürzer sind die Laufwege für den Handel, die Rekrutierung von Dorfbewohnern und für Quests. Schlägt euer Herz für einen abgelegenen Ort, dann folgt ihm! Der schöne Anblick macht die langen Distanzen wieder wett, und sobald ihr in Besitz eines Pferdes seid, verkürzt sich die Zeit, in der Strecken zurücklegt werden können, spürbar.
Idealerweise hat euer Wunschort Zugang zu Wasser (falls nicht, könnt ihr dies später über einen Brunnen regeln), das ihr nicht nur zum Trinken, sondern auch für die Körperhygiene benötigt (hierfür muss es tief genug sein – oder ihr baut, sobald ihr könnt, einen Waschzuber). Bäume, um Holz gewinnen zu können, sind ebenfalls ein Muss. Für eure ersten Gebäude ist auch Ried in der Nähe gut. Ihr gewinnt dort den Rohstoff Stroh, das so leicht ist, dass ihr es auch recht problemlos über längere Strecken transportieren könnt.
Manche Orte eignen sich weniger gut für eine Siedlung als andere. Ist das Gelände zu steil und hügelig, könnt ihr keine Häuser platzieren. Wer die Herausforderung sucht, entscheidet sich trotzdem für eher unebenes Terrain anstatt für plattes Land.
Zum Glück braucht es für das erste Haus nicht viel: Einige Stöcke, ein paar Stämme und etwas Ried (bzw. Stroh), dann steht das Eigenheim auch schon. Genauso schnell ist es auch wieder abgerissen, solltet ihr euch für einen anderen Ort entscheiden. Ärgerlich wird es erst, wenn das eigene Dorf bereits mehrere Gebäude zählt. Ich empfehle euch daher, in euren ersten Tagen möglichst viel von der Map zu erkunden, um euch auf einen Ort festzulegen.
Habt ihr den für euch idealen Ort gefunden, baut ihr über das Menü (Q) euer erstes Haus. Für die Grundsteinlegung benötigt ihr 6 Holzstämme – für den Ausbau einen Holzhammer, noch mehr Stämme, außerdem Stöcke und Stroh. Euer Haus bietet euch nicht nur den Vorteil, dass ihr neben einem wärmenden Feuer auch Essen in einem Kessel zubereiten könnt, sondern hält auch eine Truhe für euch bereit, in der ihr Dinge lagern könnt. Außerdem könnt ihr, indem ihr die Nacht in eurem Bett verbringt, Gesundheit regenerieren. Sollte das nicht nötig sein, empfehle ich allerdings, die Nacht zu nutzen – etwa um Ressourcen zu sammeln oder Messer herzustellen.
Erkundet ihr die Welt, solltet ihr unbedingt die Augen offenhalten, denn mit etwas Glück werdet ihr reich belohnt. Immer wieder könnt ihr verlorengegangene Fässer, umgekippte Wagen, vergrabene Säckchen, verlassene Truhen oder sogar verwaiste Banditenlager finden, die den ein oder anderen Schatz für euch bereithalten.
Dieses Banditenlager wurde offenbar verlassen. Das Feuer wurde gelöscht, weit und breit ist niemand zu sehen. Das ist eure Gelegenheit, reiche Beute zu machen! Egal ob Eisenaxt, Bogen, Pelzstiefel, Saatgut oder ein schöner Käse – Banditenlager halten mal mehr, mal weniger wertvolle Schätze für euch bereit und ihr solltet sie unbedingt plündern. Was ihr nicht für euch selbst benötigt, könnt ihr immerhin noch gewinnbringend verkaufen.
Wenn ihr auf Erkundungstour seid, empfiehlt es sich, Stöcke und Steine zu sammeln. Aus diesen könnt ihr Messer herstellen, ohne dass ihr hierfür Werkzeuge benötigt (drückt dafür Q > Handarbeit > Steinmesser). Wenn ihr sie verkauft, bringen sie euch anfänglich 20 Münzen pro Stück und sind damit eine gute Einnahmequelle, um euch den Start zu erleichtern. Ihr könnt viele nützliche Dinge in der Welt finden und selbst herstellen, aber für manches seid ihr besonders am Anfang auf Geld angewiesen – gerade, wenn eure Banditenlager statt Saatgut eher Verdorbenes bereithalten und statt einer wärmenden Gugel nur einen Strohhut für euch übrighaben.
Es kann sehr lästig sein, Sachen herzustellen. Die Spieleinstellungen bieten euch die Möglichkeit „Schnelles Handwerken“ an, durch die ihr eine beliebige Anzahl Gegenstände in einem Durchlauf herstellen könnt, anstatt jedes Objekt einzeln anfertigen zu müssen. Das klingt verlockend, ich rate allerdings davon ab, weil ihr euch damit bis zu einem gewissen Grad um die Spielerfahrung bringt, gerade beim ersten Mal. Könnt ihr per Knopfdruck alles selbst herstellen, benötigt ihr im Prinzip keine Dorfbewohner, die eure Rohstoffe verarbeiten und ihr habt auch wesentlich weniger zu tun.
Stoßt ihr mit all den Ressourcen, den geklauten Käselaiben und der Vielzahl von Messern an die Grenze dessen, was ihr tragen könnt, helfen ein Rucksack und eine Gürteltasche. Beides könnt ihr bei Schneidern in den Dörfern erwerben, allerdings fordern diese einen stattlichen Obulus von euch. Entweder, ihr macht fleißig weiter Messer und verkauft alles, was nicht niet- und nagelfest ist, um eure Traglast zu erhöhen, oder ihr tätigt zuerst wichtige Investitionen (Dünger, Saatgut, Winterkleidung, Trinkschlauch etc.) und hofft, in einem der Lager einen Rucksack zu finden. Spätestens, wenn die Produktion in euren Dörfern angelaufen ist, solltet ihr euch Rucksack und Gürteltasche aber problemlos leisten können.
Der große Rucksack und die große Gürteltasche erlauben es euch, statt 35kg insgesamt 60kg zu transportieren. Mit steigender Erfahrung im Bereich „Gewinnung“ (Talentbaum) könnt ihr zudem die Errungenschaft „Maultier“ freischalten, die euch in der letzten Stufe noch einmal ein Plus von 15kg gewährt. Später könnt ihr euch auch einen Esel oder ein Pferd anschaffen, die ebenfalls eine gewisse Traglast schultern können.
Racimir als Selbstversorger
In der Zwischenzeit werdet ihr zweifellos festgestellt haben, dass Racimir Bedürfnisse besitzt, die gestillt werden müssen: Er hat Hunger und Durst. Wasser kann aus allen Gewässern getrunken werden, es empfiehlt sich dennoch, einen Trinkschlauch anzuschaffen. Mit ihm könnt ihr jederzeit trinken, wann und wo ihr wollt. Um euren ersten Hunger zu stillen, bietet euch euer Inventar Äpfel, ein paar Backwaren und Trockenfleisch. Um zu überleben, genügt das allerdings nicht. Ihr könnt Lebensmittel bei verschiedenen Händlern für viel Geld erwerben – oder Racimir versorgt sich selbst.
Bis ihr große Felder mit hohen Erträgen haben werdet, wird einige Zeit ins Land ziehen. Neben verschiedenen Getreidesorten, die zu Mehl verarbeitet werden können, könnt ihr verschiedene Gemüse anbauen und auf Plantagen Obstbäume ziehen.
Die Selbstversorgung funktioniert primär über drei Wege, nämlich über das Sammeln von Pilzen und Beeren, das Jagen von Tieren und den Ackerbau. Pilze sammelt ihr im Frühling und dann wieder im Herbst, Beeren im Sommer. Erntet ihr bereits im Frühjahr unreife Beeren, stehen euch die reifen Früchte im Sommer nicht mehr zur Verfügung.
Der Verzehr von Fisch und Fleisch ist unbedenklich, sofern ihr beides mithilfe einer Feuerstelle zubereitet und nicht roh verspeist. Eine Jagdhütte hilft euch, Bögen und Pfeile herzustellen, außerdem könnt ihr dort auch Fleisch trocknen und (später) Fleisch und Fisch in Salz einlegen, um es haltbar zu machen.
Waidmanns Heil! Rotwild flüchtet, wenn ihr euch zu schnell oder zu geräuschvoll nähert. Dieser hübsche Kerl hat extra für ein Foto posiert.
Die Jagd bestreitet ihr anfangs mit einem Holzspeer, später auch mit Bogen und Armbrust. Wer sich für den Nahkampf erwärmen kann, nimmt Messer oder Axt. Die erste Erfahrung sammelt ihr dabei am besten mit Hasen. Die flinken Gesellen entwischen euch recht leicht, dafür wehren sie sich aber auch nicht. Bei Füchsen und Dachsen müsst ihr mit Gegenwehr und Verletzungen rechnen.
Neben Fleisch liefern euch die Tiere auch Pelze, die ihr weiterverarbeiten könnt, ebenso wie Leder.
Seid ihr erst einmal mit besseren Waffen ausgerüstet, könnt ihr auch größere Tiere jagen – oder euch schlicht verteidigen. Wölfe, Wildschweine und Wisente sind euch nicht wohlgesonnen, sondern reagieren aggressiv auf eure Gegenwart. Solltet ihr unvorbereitet Meister Petz begegnen und – wie ich – nur mit einer Axt bewaffnet sein, nehmt ihr besser augenblicklich die Beine in die Hand (meine Dynastie war nach dieser Begegnung, die ich extra für euch festgehalten habe, ausgelöscht). Da hilft auf die Schnelle auch keiner der Heiltränke mehr, die ihr in der Kräuterhütte herstellen könnt.
Mitunter müsst ihr euch auch gegen menschliche Feinde zur Wehr setzen: Nicht jedes Banditenlager ist verlassen … Ihr erkennt es besonders nachts schon aus der Ferne am lodernden Lagerfeuer.
Friedlicher und unblutiger geht es beim Ackerbau zu. Ihr benötigt nur etwas Land, eine Hacke, ein Säckchen mit Dünger und Samen und schon kann es losgehen. Das klingt simpel, geht aber leider gerade am Anfang ordentlich ins Geld, weil ihr in Saatgut und besonders in Dünger investieren müsst – nichts davon verkaufen die Händler für lau. Habt ihr aber erst einmal den Anfang gemacht, fallen bei jeder Ernte auch Samen für eine neue Aussaat ab.
Sobald ihr über eine Scheune verfügt, könnt ihr günstigeren Dung kaufen und diesen selbst zu Dünger verarbeiten. Mit steigendem Wissen in landwirtschaftlichen Technologien könnt ihr schließlich auch Schweine halten, die selbst Dung produzieren – das Futtermittel für die Tiere stellt ihr selbst aus geerntetem Roggen, Hafer und Stroh her. So ergibt sich über kurz oder lang ein selbsterhaltender Kreislauf. Es lohnt sich, frühzeitig damit zu beginnen.
Im späteren Spielverlauf ist die Haltung von Schweinen die perfekte Möglichkeit, genügend Dung für die Düngung eurer Felder anzuhäufen. Wie auch alle übrigen Tiere – Hühner, Gänse, Ziegen, Schafe, Kühe, Esel und Pferde – benötigen sie einen Stall. Die entsprechende Technologie müsst ihr euch jedoch erst durch die Ausübung landwirtschaftlicher Tätigkeiten erarbeiten.
Zugegeben: Dieser ausgewachsene Eber ist nicht annähernd so niedlich wie die kleinen Ferkelchen, aber er produziert eine ganze Menge Mist, den man auf den Feldern als Dünger ausbringen kann.
Für den Anfang genügt ein kleines Feld, mit dessen Hilfe ihr euch selbst und gegebenenfalls auch erste Dorfbewohner versorgen könnt. Ich empfehle euch, im Frühjahr bereits mit der Aussaat von Kohl, Zwiebeln und Karotten zu beginnen, auch wenn die Kapitelquests, die eine Art „Tutorial“ sind, dies noch nicht von euch verlangen. Ihr könnt dann bereits im Sommer Zwiebeln und Kohl ernten, im Herbst kommen die Karotten hinzu. So schafft ihr euch einen kleinen Vorrat für Herbst und Winter. Damit eure Lebensmittel weniger schnell verderben, legt ihr ein Nahrungsmittellager an.
Zur Nahrung sei abschließend gesagt, dass ihr Gefahr lauft, Racimir zu vergiften, wenn ihr ihm Pilze, rohes Fleisch oder verdorbene Lebensmittel zu essen gebt. Abhilfe schaffen Gegengift oder Johanniskraut, das ihr von Frühjahr bis Herbst überall in der Welt finden könnt.
Um Lebensmittel haltbarer zu machen, verarbeitet ihr sie zu höherwertigeren Speisen: Verfügt ihr über Holzschalen, die ihr kaufen oder selbst anfertigen könnt (Werkstatt), könnt ihr beispielsweise Kohlsuppe herstellen, die neben Kohl auch Fleisch benötigt. Ist beides nicht mehr 100% taufrisch, gewinnt es durch den Kochprozess wieder an Genießbarkeit hinzu.
Der Winter naht…
Habt ihr es bis hierhin geschafft, übersteht ihr Frühjahr, Sommer und Herbst mit Sicherheit ohne Probleme. Für den Winter gilt es, noch einige Dinge zu beachten. Zunächst ist es wichtig, dass ihr Racimir selbst mit Winterkleidung ausstattet, die ihr bei den Schneidern oder Schneiderinnen in den Dörfern erwerben könnt. Dies wird euch eine stattliche Summe Münzen kosten – aber ihr wollt doch nicht, dass Racimir erfriert (was durchaus im Bereich des Möglichen liegt)!
Racimir posiert in Winterkleidung vor der Jagdhütte. Er trägt eine wärmere Hose, eine Gugel, Pelzstiefel und eine Schlauchmütze.
Auch euer Haus solltet ihr winterfest machen. Flechtwerk und Stroh bieten einen schlechteren Schutz gegen die Kälte als Holz oder Stein. Spätestens im Herbst ist es also Zeit für ein Upgrade eures Hauses: Ersetzt die Wände durch Holz oder Steine, das Dach durch Bretter. Wenn ihr könnt (Talentbaum Herstellung), dann bringt zudem einen Lehmbewurf (herstellbar aus Ton in der Scheune) oder Kalkstein (gewonnen beim Abbau von Stein mit der Spitzhacke) für die Wärmedämmung an.
Ich habe die Gelegenheit genutzt und Racimir ein neues, größeres Haus gebaut. Die Steinwände und das Bretterdach sorgen für Wetterschutz. Eine Wand wurde bereits mit Kalkstein bearbeitet. Seit dem neusten Update können auch Fensterläden angebracht werden, die je nach Gusto geöffnet oder geschlossen werden können.
Technologie und Fortschritt
Ihr werdet feststellen, dass ihr für alles, was ihr tut, Erfahrungspunkte sammelt. Sie betreffen entweder Racimirs persönliche Fähigkeiten oder die verfügbaren Technologien. Die Talentbäume für Racimir sind weitgehend selbsterklärend, deshalb werde ich hier nicht näher auf sie eingehen.
Ein Beispiel für einen fortgeschrittenen Talentbaum im Bereich „Landwirtschaft“. Bis zur höchsten Stufe könnt ihr insgesamt 15 Punkte vergeben, die ihr mit Hilfe eines Tranks zurücksetzen und neu verteilen könnt. Der Talentbaum bietet euch viele Vorteile: Im Bereich „Landwirtschaft“ könnt eine größere Ernte einfahren („Geschickter Landwirt“, „Talentierter Erntehelfer“) oder euer Reittier noch effizienter nutzen („Zuckerbrot und Peitsche“ erhöht die Traglast, „Wilde Jagd“ das Tempo, „Erfahrener Reiter“ die Ausdauer).
Mit den Technologiepunkten, die ihr über eure Aktivitäten sammelt, spielt ihr Gebäude frei, mit denen ihr euer Dorf ausbauen könnt. An die Technologiestufe gekoppelt sind neue Objekte, die ihr gegen Münzen freischalten könnt. So gibt es in einer Werkstatt der Stufe I noch keine Töpferscheibe, dementsprechend könnt ihr kein „Rezept“ für Tonkrüge kaufen und diese dort anfertigen.
Die Technologiepunkte sammelt ihr in den Bereich Bau-, Überlebens-, Landwirtschafts- und Produktionstechnik (sobald ihr Dorfbewohner habt, tragen auch sie durch ihre Arbeit dazu bei). Für die Bautechnik zählen insbesondere die Gewinnung von Ressourcen und der Bau von Gebäuden, für Überlebenstechnik sind Dinge wie Jagen, Fischen und Kräutersammeln von Bedeutung. Eure Fähigkeit in Landwirtschaftstechnik steigt beispielsweise mit dem Ackerbau und ermöglicht euch mit steigender Stufe die Haltung verschiedener Nutztiere. Produktionstechnik erhöht ihr durch die Herstellung von Objekten.
Für manche mögen die Pferde, die man auf einer höheren Stufe der Landwirtschaftstechnik kaufen können, das Highlight sein. Für mich sind es – offen gestanden – die niedlichen Ziegen, die Milch für Käse produzieren.
Mit dem Ausbau eures Dorfes steigen übrigens auch die Steuern, die ihr jedes Frühjahr zahlen müsst. Es ist also sinnvoll, nicht zu schnell zu wachsen (indem ihr z. B. schon zu Beginn riesige Felder anlegt), sondern langsam, aber dafür stetig.
Die Welt ist ein Dorf!
Sobald ihr euer Dorf ausbaut, benötigt ihr auch Dorfbewohner, die unterschiedlichste Aufgaben verrichten. Ihr könnt sie für die Gewinnung von Rohstoffen anwerben, für Ackerbau und Tierpflege oder für die Herstellung und den Verkauf verschiedenster Waren. Sie sind das Herz eures Dorfes, denn ab einer gewissen Größe könnt ihr nicht mehr alles selbst machen. Vielmehr muss nun jedes Rädchen in ein anderes greifen. Arbeiter bringen Holz, Stöcke, Steine und Ton, die in Werkstätten weiterverarbeitet werden können, Lebensmittel werden in der Küche zu Speisen zubereitet, der Ackerbau trägt sich zunehmend selbst…
Zusammen ist man bekanntlich weniger allein. Bietet ihr euren Dorfbewohnern die Möglichkeit, am Lagerfeuer zu sitzen, nehmen sie dieses Angebot nach getaner Arbeit gerne an.
Eure möglichen Dorfbewohner lernt ihr an den Lagerfeuern der verschiedenen Dörfer kennen. Ihr könnt sie zu ihren Interessen ausfragen, um euch ein Bild von ihnen zu machen. Sagt euch zu, was ihr hört (oder benötigt ihr wirklich dringend einen neuen Mitbewohner, ganz gleich, was er kann und wie er ist), könnt ihr die Reisenden am Lagerfeuer bitten, in euer eigenes Dorf zu ziehen und für euch zu arbeiten.
Es lohnt sich, recht früh einen Arbeiter für den Holzschuppen anzuwerben. Holz gehört zu den Ressourcen, die ihr immer benötigt – auch in großen Mengen – und wenn ihr nicht jeden Baum alleine fällen müsst, spart euch das viel Zeit.
Habt ihr einen Dorfbewohner angeworben, gibt es einiges zu beachten. Zunächst müsst ihr euren Dorfbewohnern Häuser zur Verfügung stellen. Dabei können jeweils eine Frau und ein Mann gemeinsam in einem Gebäude wohnen. Ist der Altersunterschied nicht zu groß, besteht die Chance, dass sie eine Familie gründen und bald schon kleine Kinder euer Dorf unsicher machen. (Aber trotz „Oooh, wie süß“-Faktor ist hierbei im Voraus zu bedenken, dass jede Mutter an ihrem Arbeitsplatz für volle zwei Jahre ausfällt. Ihr überlegt euch also besser vorher, wie ihr dies kompensieren könnt.)
Neben einem Dach über dem Kopf verlangen eure Dorfbewohner nach Brennholz, Trinkwasser und Essen. Ihr könnt diese Dinge für jede Familie einzeln in den Truhen der jeweiligen Häuser lagern, oder im Material- und Lebensmittellager deponieren.
In der Verwaltung seht hier nicht nur, ob es euren Dorfbewohnern an etwas mangelt, sondern könnt ihnen zudem Häuser und Arbeit zuteilen (außerdem könnt ihr die Arbeit in den einzelnen Arbeitsstätten definieren und festlegen, was auf euren Feldern ausgesät werden soll). Es ist sinnvoll, auf die Fertigkeitspunkte der Bewohner zu achten. Eine jagderfahrene Bewohnerin leistet in der Jagdhütte vielleicht einen besseren Job als in der Schmiede. Die Zufriedenheit der Dorfbewohner steigt mit dem Wohnkomfort, der Qualität der Lebensmittel und der passenden Arbeit. Sie sinkt, wenn Bedürfnisse nicht erfüllt werden. (Aus diesem Grund empfiehlt es sich auch, immer zuerst die Rahmenbedingungen zu schaffen und dann Personen anzuwerben; sind sie zu unzufrieden, weil ihr ihnen kein Haus bieten könnt oder sie auf Wasser warten müssen, kann es sein, dass sie das Dorf wieder verlassen.)
Um Dorfbewohner anwerben zu können, benötigt ihr Dynastie-Reputation. Diese Punkte stellen den Ruf dar, den ihr euch erworben habt. Ist er zu niedrig, weigern sich die Reisenden, sich euch anzuschließen. Den Ruf steigert ihr durch den Ausbau eures Dorfes sowie das Abschließen von Haupt- und Nebenquests. Questgeber werden auf der Karte stets mit einem gelben Ausrufezeichen markiert. Es empfiehlt sich, die Aufgaben möglichst zu Beginn einer Jahreszeit anzunehmen, da viele von ihnen innerhalb derselben Jahreszeit erfüllt werden müssen.
Im „Tagebuch“ seht ihr eure aktuellen Quests in der Übersicht. Neben der Liste bekommt ihr wichtige Informationen zur jeweils angewählten Quest rechts angezeigt. Achtet vor allem auf die Angabe, wann eine Quest verfallen wird, um eure einzelnen Aufgaben zu priorisieren.
Scheitert ihr bei der Erfüllung angenommener Quests, könnt ihr an Ruf verlieren. Legt ihr es darauf an, Rufpunkte zu verlieren, dann betätigt euch als Diebe. Lasst ihr Gegenstände aus den Dörfern mitgehen, kann euch das zumindest hinsichtlich eures Rufs teuer zu stehen kommen. Sinken eure Reputationspunkte unter eine gewisse Grenze (-10.000 nach meiner letzten Information), habt ihr das Spiel verloren. Auch könnt ihr die geklauten Gegenstände nicht innerhalb desselben Dorfs zu Geld machen, also überlegt euch gut, was ihr mitgehen lasst – und ob sich die Mühe überhaupt lohnt.
Wer kann bei dieser schönen Eisenhacke schon widerstehen? Man kann durchaus stehlen, aber man sollte sich besser nicht erwischen lassen. Die Nacht ist der Freund aller Diebe! Als Diebesgut gilt nur, was ihr aus den Dörfern stehlt (und hierzu zählt bereits, in die Truhen der Dorfbewohner zu gucken o. ä.). Sammelt ihr Sachen am Wegesrand auf oder entwendet sie aus den Banditenlagern, gilt dies nicht als Diebstahl.
Gründet eine Dynastie!
Damit komme ich zum letzten Punkt dieses „Tutorials“. Am Lagerfeuer rekrutiert ihr nicht nur zukünftige Dorfbewohner, sondern lernt – mit etwas Glück – auch eure Frau kennen. Mit allen reisenden Frauen am Lagerfeuer könnt ihr flirten, sofern der Altersunterschied nicht zu groß ist. Dabei gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein – und auch ein Geschenk hier oder da schadet mit Sicherheit nicht. Welche Frau würde sich auch nicht über eine Bettdecke, ein Nadelkissen oder ein paar Datteln freuen?
Geschenke dieser Art könnt ihr für viel Geld bei einem Händler kaufen, mit viel Glück stehlen oder in Banditenlagern finden oder beim Graben nach Ton erhalten. Sie helfen euch nicht nur, die Zuneigung eurer Angebeteten zu erhalten, sondern auch, die Liebe eurer Frau zu erhalten.
Habt ihr die Richtige gefunden, steht die Heirat ins Haus. Nach dem Ja-Wort zieht sie in Racimirs Haus und schenkt ihm – wenn er sie danach fragt – einen Erben (Racimir kann, genauso wie Questgeber / Dorfbewohner, im Alter sterben. Habt ihr dann keinen Erben, endet das Spiel). Schließlich geht es in ›Medieval Dynasty‹ auch darum: die Gründung einer Dynastie.
Fazit
Mich hat ›Medieval Dynasty‹ bereits viele, viele Stunden gefesselt und während ich den Spielbericht geschrieben und noch einmal von vorne begonnen habe, hat es mich direkt wieder gepackt. Es ist eine wunderschöne, fesselnde Simulation, die insbesondere durch ihre Atmosphäre besticht. Die einzelnen Rädchen – Quests, Charakterentwicklung, Aufbau- und Survivalaspekt, greifen nahtlos ineinander und ergeben so ein stimmiges Ganzes. Eine hübsche Grafik und unaufdringliche Musik unterstreichen das Spielerlebnis.
Müsste ich ›Medieval Dynasty‹ in einem Wort beschreiben, dann wäre das (trotz Wölfen, Bären und Banditen): friedlich.
Mir persönlich gefällt am besten, dass man durch ›Medieval Dynasty‹ nicht „hindurchrauschen“ kann. Gerade am Anfang ist man gezwungen, kleine Schritte zu machen und sich das Spiel Stück für Stück anzueignen, bis man den Bogen raus hat. Wenn man nach Ruhe und Entspannung sucht, ist ›Medieval Dynasty‹ somit eine willkommene Abwechslung zu actionlastigeren Spielen. Man kann sich fallen lassen und die Zeit (und die Welt da draußen) einfach für eine Weile vergessen.
Was ich ein wenig vermisse, sind abwechslungsvollere Gespräche und Interaktionen. Dass das nicht für jeden NPC möglich ist, der generiert wird, ist klar. Aber eine liebevollere Interaktion zwischen den Eheleuten und den Kleinkindern wäre wirklich toll (größere Kinder hatte ich noch nicht)! Die Auswahl an Aktionsmöglichkeiten ist hier recht begrenzt.
Die größte Schwierigkeit, die ich sehe, ist die Langzeitmotivation. Ist das Dorf ausgebaut und ein ansehnliches Vermögen angehäuft, kehrt man zwar noch immer gerne zurück und baut vielleicht ein zweites, drittes und viertes Dorf … Nach ein paar kürzeren Hauptquestreihen gibt es, abgesehen von den Nebenquests, die sich immer wiederholen, nur wenig Abwechslung. Ich denke, von einem stärker ausgebauten Questsystem könnte ›Medieval Dynasty‹ sehr profitieren. Aber natürlich ist jedes Spiel einmal ausgespielt und jede Geschichte zu Ende erzählt.
Ich freue mich jedenfalls sehr darüber, dass noch eine weitere Questreihe hinzugefügt wurde. Dass mit der Mühle seit dem letzten Update ein neues Gebäude verfügbar ist und das eigene Dorf nun durch zusätzliche Dekorationsobjekte noch detaillierter gestaltet werden kann, ist toll und ich hoffe, Toplitz wird auch weiterhin an zusätzlichem Content für ›Medieval Dynasty‹ arbeiten.
Die kürzlich hinzugefügten neuen Türen, Fensterläden und Blumentöpfe bringen – neben anderen Objekten – wieder etwas Abwechslung ins Spiel, weil die Dörfer nun noch individueller gestaltet werden können.
Im Bereich „Survival“ hat ›Medieval Dynasty‹ das Potenzial meiner Meinung nach noch nicht ausgenutzt. Ich bin, nachdem ich ›Green Hell‹ gespielt habe, vielleicht auch nicht der beste Maßstab, aber mir erscheint der Survival-Aspekt schon fast zu einfach. Das mag widersprüchlich klingen, weil ich ja gerade das Friedliche und Ruhige an ›Medieval Dynasty‹ schätze – ein harter Überlebenskampf wie in ›Green Hell‹ ist aber auch gar nicht das, was ich meine. Bei einem Spiel, das mit einer „realistischen“ Mittelaltererfahrung wirbt, habe ich einfach erwartet, dass der Survival-Aspekt stärker ins Gewicht fällt. Hat man erst einmal ein Dach über dem Kopf, ein Feld angelegt und Racimir ein paar gute Fellstiefel angelegt, kann fast nichts mehr schiefgehen (außer, man hütet sich nicht vor den Bären) – der ganze Survival-Aspekt ist dann hinfällig. Warum wirkt sich mangelnde Hygiene nur auf Gespräche mit den Dorfbewohnern aus, nicht auch auf die Gesundheit? Wieso verderben Lebensmittel nicht schneller? Wieso überfallen die Banditen nicht die Dörfer?
Die Ereignisse, die den Spieler zu jedem Jahreszeitenwechsel ereignen können, bringen hier zumindest etwas Abwechslung hinein, dürften für meinen Geschmack aber häufiger auftreten und – bisweilen – auch stärker ins Gewicht fallen.
Ereignisse treten zufällig beim Wechsel der Jahreszeiten auf. Sie können positiv oder negativ für euch ausfallen, was bisweilen auch von Entscheidungen abhängt, die ihr selbst trefft.
Dennoch: Man kann mühelos selbst am Schwierigkeitsgrad von ›Medieval Dynasty‹ schrauben, was ein großer Pluspunkt ist. Je schwieriger die Einstellungen, desto dankender wird man wohl auf Katastrophen und mehr Survival verzichten.
Alles in allem ist das aber ohnehin Meckern auf hohem Niveau. Unter dem Strich ändert sich nichts an dem Eindruck, dass ›Medieval Dynasty‹ ein rundum gelungenes Spiel ist, das den versprochenen Genre-Mix erstaunlich gut umsetzt. Das Spiel erlaubt es, wenigstens für ein paar Stunden in ein „Wohlfühl“-Mittelalter zu entfliehen, die Seele baumeln zu lassen und inneren Frieden zu finden.