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stinken ≠ stinken

Wenn etwas im Mittelhochdeutschen „stinkt“, muss man deswegen noch lange nicht die Nase rümpfen! Mhd. „stinken“ meint nämlich zunächst schlicht „einen Geruch von sich geben“ und kann verschieden attribuiert werden:



  • So kann etwas z. B. „süeze stinken“ („gut/angenehm riechen“).



In manchen Kombinationen ist aber eindeutig, dass mhd. „stinken“ tatsächlich mit „stinken“ im Sinne von „übel riechen“ übertragen werden muss:



  • Stellt euch z. B. vor, ihr kauft etwas, mit dem ihr euch eincremen wollt, aber „diu salbe stanc als ein fûler hunt“ (‚“die Salbe stank wie ein fauler Hund“).



Mhd. „stinken“ bezieht sich aber nicht nur auf das, was einen Geruch ausströmt, sondern auch auf jenes, das ihn aufnimmt. So lässt es sich in bestimmten Kontexten auch mit „riechen“ i.S.v. „durch den Geruchssinn wahrnehmen“ übersetzen:



  • In einer mhd. Erzählung um die Erschaffung des Menschen bspw. hat Gott seinen Geschöpfen etwas sehr Nützliches gegeben – „zwei locher an der nase daz er stinchen muge“ („zwei Löcher in der Nase, sodass er riechen kann“).



In diesem Sinne: Mittelhochdeutsch zu lernen, stinkt nicht, sondern ist absolut wohlduftend!



Nachzuschlagen wie immer im Lexer, BMZ und DWDS.



Der Beitrag erschien das erste Mal auf dem Instagram-Kanal von Hartmanns Aue.