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witze ≠ Witz

Während wir uns heute über einen Witz amüsieren – bestenfalls zumindest –, wäre es zur Zeit des Mittelhochdeutschen wohl ziemlich unhöflich gewesen, über die „witze“ eines Menschen zu lachen.



Denn die mhd. „witze“ (damals noch ein Femininum, erst ab dem 17. / 18. Jh. ein Maskulinum) bezeichnete eigentlich das „Wissen“, den „Verstand“, die „Einsicht“ oder die „Klugheit, Weisheit“.



  • So kann bspw. ein Minnender über seine Geliebte klagen, „die mich machet witze âne“ („die mir den Verstand raubt“).
  • Wenn jemand gerade die Mittelhochdeutsch-Einführung besucht und dafür nächtelang durchlernt, darf man ihn*sie wohl mit Fug und Recht als „ain mentschen, daz bei seinen witzen nicht ist“ („einen Menschen, der nicht bei Verstand ist“), bezeichnen.
  • Und wenn Parzival „antworte im ûz tumben witzen“, dann antwortete er ihm gewissermaßen „aus unverständigem Wissen“, d.h. aus „Einfalt“.



Diese Bedeutung von mhd. „witze“ ist aber nicht vollständig verloren gegangen, sondern findet sich im Gegenwartsdeutschen noch rudimentär in Wendungen wie „mit Witz und Verstand“. Ein englisches Äquivalent ist das Lexem „wit(s)“.



Übrigens hängt die „witze“ etymologisch mit „wissen“ zusammen. Diese semantische Verbindung ist heute bspw. am Kompositum „Vorwitz“ ersichtlich – denn wenn man neugierig ist, möchte man ja Dinge erfahren, die über das normale Wissen hinausgehen.



Der Beitrag erschien das erste Mal auf dem Instagram-Kanal von Hartmanns Aue.