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Mittelalterliche Weihnachtsempfehlungen 2021

Es ist schon wieder soweit – die Adventszeit hat begonnen und Weihnachten steht vor der Tür. Zeit für uns, euch diesen Monat ganz persönliche „mittelalterliche“ Empfehlungen vorzustellen. Wir wünschen eine schöne Adventszeit und ein gesegnetes Fest!



Tobias Enseleit (Historiker / Germanist)

Lange Zeit hatte die Coronapandemie das kulturelle Leben lahmgelegt – das betraf unter anderem auch viele Museen, die nicht öffnen durften und geplante Ausstellungen verschieben mussten. Seit einiger Zeit hat sich die Situation dankenswerter Weise etwas beruhigt, sodass Museen aktuell wieder besucht werden können. Eine kleine, aber sehr feine Sonder- und Dauerausstellung möchte ich euch ans Herz legen, die sich in der Domschatzkammer in Essen (Nordrhein-Westfalen) befindet.



Essen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die sich bis ins frühe Mittelalter rückverfolgen lässt, als um die Mitte des 9. Jahrhunderts das Damenstift Essen vom späteren Hildesheimer Bischof Altfrid gegründet wurde. In der Folge avancierte das Stift gemeinsam mit dem Kloster Werden, das auf die Bestrebungen des dort bestatteten Heiligen Liudger zurückgeht, zu einem Zentrum christlicher Kultur.



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Dom und Domschatz unter schönstem Novemberhimmel.



Berühmte Frauen standen in dieser Zeit dem Stift als Äbtissin vor, wie etwa die Enkelin Kaiser Ottos I. Mathilde, die den Kirchenschatz um die berühmte Goldene Madonna erweiterte, die sich heute noch im Dom befindet. Heute liegt der Dom und die anliegenden Gebäude inmitten der Essener Innenstadt, fußläufig in kurzer Zeit vom Hauptbahnhof erreichbar. Auf den ersten Blick etwas unscheinbar gelegen, beherbergt der Essener Domschatz eine ganze Reihe einzigartiger und beeindruckender Exponate, welche die kulturelle Bedeutung, die der Ort seinerzeit hatte, noch heute erfahrbar machen.



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Der Domschatz beinhaltet berühmte Goldschmiedearbeiten des Frühmittelalters von Weltrang.



Noch bis zum 2. Februar 2022 legen der Essener Domschatz und das Kloster Werden unter dem Titel ›MUTIG | HEILIG | SELBSTBEWUSST‹ im Rahmen einer Sonderausstellung einen besonderen Fokus auf Heilige Frauen, welche für das geistliche Leben in Essen in Tradition, Verehrung und Liturgie eine wichtige Rolle spielten. Wer also einmal die überaus glanzvolle Seite des als dunkle verschrienen Mittelalters kennenlernen möchte, sollte den Ausstellungsorten unbedingt einen Besuch abstatten.



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Dr. Lea Kohlmeyer (Germanistin)

Spielend können Interessierte ausgewählte Stücke des Essener Domschatzes in dieser Version des beliebten ›Memory‹ erkunden. Die Domschatzkammer hütet die Kostbarkeiten des ehemaligen Essener Frauenstifts, in dem die Stücke zwischen 800 und 1800 der Feier der Gottesdienste dienten oder zur Ausstattung der Stiftskirche, dem heutigen Dom, gehörten. Eine der Aufgaben der Stiftsfrauen bestand im Gebet für das Seelenheil Verstorbener, damit diese nach ihrem Tod in Erinnerung blieben.



Das mittelalterliche Gebetsgedenken, lateinisch „memoria“ – Gedächtnis, ist namensgebend für das Spiel: Um erfolgreich Bildpaare zu sammeln, müssen sich Mitspieler an einmal aufgedeckte Karten erinnern. Dabei lernen sie Essener Schatzstücke kennen, von denen einige durch Inschriften oder Bildnisse an deren Stifterinnen und Stifter erinnern.



Die 32 Spielkarten von MEMORIA zeigen Ausschnitte aus Kunstwerken des Domschatzes. Reizvoll in Szene gesetzt sind dabei die fotografierten Details der Kostbarkeiten. Sie wecken das Interesse, die Schatzstücke im Original und in Gänze zu betrachten.



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Neben einer Spielanleitung auf Deutsch, Englisch und Niederländisch bietet ein Faltblatt zum Spiel kurze Informationen zu Entstehungszeit und Herkunftsort der abgebildeten Kunstwerke. Geeignet ist MEMORIA für zwei bis sechs Spieler ab etwa 10 Jahren. Erhältlich ist das Spiel im Shop des Domschatzes Essen.



Theresa Bayer (Germanistin)

Meine Empfehlung richtet sich insbesondere an Fans von Graphic Novels. Zwischen 2008 und 2012 veröffentlichte der Zeichner Alex Alice ein wahrhaftes Epos über einen ebenso epischen Helden: Siegfried. Er orientierte sich dabei zwar weniger am mittelalterlichen Nibelungenlied, dafür aber umso mehr an der nordischen Sagenwelt und schließlich auch an Wagners ›Ring der Nibelungen‹.



Entstanden ist eine düstere, dramatische, atmosphärisch dichte Erzählung über Siegfried, die in erster Linie über die fantastischen, opulenten Illustrationen transportiert wird. Die drei Bände – Siegfried, Walküre und Götterdämmerung – wurden vom Splitter-Verlag 2020 erstmals auch als Gesamtausgabe herausgegeben.



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Lukas Boch (Kirchenhistoriker)

Diesen Dezember möchte ich auf die Ausstellung ›Am Anfang war das Spiel. Brettspiele – Geschichte und Gesellschaft spielend entdecken‹ hinweisen. Die Ausstellung wurde von dem Projekt ›Boardgame Historian‹ konzipiert und gestaltet und ist vom 28. November 2021 bis 06. März 2022 auf dem Residenzschloss Altenburg in Thüringen zu sehen sein.



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Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Brettspiele als Medium der Geschichtskultur, die Vorstellungen von Geschichte und der Gesellschaft rezipieren, reproduzieren und transformieren. Dabei wird selbstverständlich auch auf das Mittelalter eingegangen. Anhand der Spiele ›Orléans‹, ›Glory‹ und ›Zombicide: Black Plague‹ wird ein Einblick auf verschiedene Vorstellungen vom Mittelalter gegeben und gezeigt, wie diese konkret im Medium des Brettspiels dargestellt werden.



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Wer mehr erfahren möchte, sollte uns auf Social Media folgen. Dort werden wir immer wieder Einblicke in die Ausstellung geben.



Vlad Cotuna (Historiker)

Weihnachten wird meistens als eine Zeit des besinnlichen Zusammenkommens zwischen Familie und Freunden begriffen. Obwohl der Austausch und die Kommunikation anfangs recht unterhaltsam und erregend sein können, besteht die Gefahr, dass sie nach einer Weile im Sand verlaufen. Das führt dann zu einem berühmt-berüchtigten Gefühlszustand: der Langweile.



Um dieser entgegenzuwirken, kann ich, insbesondere für Menschen, die sich zwar gerne mit mittelalterlichen Themen auseinandersetzen, aber nicht unbedingt Interesse an Fachliteratur hegen, die interaktive Videospieladaption von Ken Follets berühmten Roman ›Die Säulen der Erde‹ ans Herz legen.



Neben der Hauptgeschichte, die im Spiel regulär verläuft, übernimmt an manchen Stellen des Spiels der Spieler die Kontrolle und trifft Entscheidungen, die zu diversen Spielverläufen führen können. Die Notwendigkeit, immer wieder unterschiedliche Rätsel lösen zu müssen, sorgen dabei für eine willkommene Abwechslung.



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Damit ist das Spiel sicherlich eine spannende Geschenkidee für Jugendliche ab 12 Jahren, historische Romanliebhaber*innen und Spieler*innen, die gerne auch „historical games“ daddeln.