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huote ≠ Hut

Die mhd. „huote“ hat nur mittelbar etwas mit unserem heutigen Hut zu tun. Betrachten wir aber nicht das Maskulinum, sondern das formgleiche Femininum, sieht die Sache schon ganz anders aus: Die „Hut“ ist zwar schon etwas veraltet, mindestens aber noch in Redewendungen wie „vor etw. auf der Hut sein“ oder durch Komposita wie „Nach-“ und „Vorhut“ lebendig.



Am geläufigsten ist uns heute aber vermutlich die „Obhut“, eine intensivierende Variante der „Hut“. Und genau diese Bedeutung besaß „huote“ im Mittelhochdeutschen auch: Sie bezeichnete die ‚Aufsicht, Bewachung‘ oder – etwas positiver – die ‚Fürsorge‘.



  • Wenn also bspw. vom Helden geschildert wird, dass „im wolde got mit huote genædeclîchen bî gestân“, dann bedeutet das: ‚Ihm wollte Gott mit seinem Schutz gnädig beistehen‘.
  • Der verletzte Artusritter Erec hat außerdem Glück im Unglück, wenn er nicht nur von Ärzten, sondern ebenso von seiner Frau betüddelt wird: „ouch phlac sîn diu guote mit vil getriuwer huote, vrouwe Ênite“ (‚Auch kümmerte sich die Herrin Enite um ihn, mit treuer Fürsorge‘).



Da ist es dann natürlich nicht verwunderlich, wenn man auch mit einem maskulinen „Hut“ gut behütet ist.



Den Hut (oder allgemein eine Form der schützenden Kopfbedeckung) gab es übrigens auch schon im Mittelhochdeutschen, der hieß dann schlicht „huot“.



Nachzuschlagen wie immer im Lexer, BMZ und DWDS.



Der Beitrag erschien das erste Mal auf dem Instagram-Kanal von Hartmanns Aue.