Zum Hauptinhalt springen
Artikel Artikel

strît ≠ Streit

Natürlich hat man sich auch in Zeiten des Mittelhochdeutschen gestritten, aber ein „strît“ nahm in der Regel etwas härtere Ausmaße an: Das Wort bezeichnet nämlich v.a. den bewaffneten „Kampf“.



  • Wenn also vom erfahrenen Ritter und Herzensbrecher Gahmuret erzählt wird, dass „strît und minne was sîn ger“, dann bedeutet das, dass „Kampf und Minne sein Begehren waren“ – was in der Folge zu einigen gebrochenen Herzen führt…
  • Ein verbaler „Kampf“ (bzw. in diesem Sinne tatsächlich „Streit“) ist aber zuweilen nicht minder heftig.
  • Einem solchen beugt die Erzählstimme aus Hartmanns ›Erec‹ vor, indem sie über die Frau des Helden sagt: „jâ was ûzer strîte diu frowe Enite diu aller schœneste maget“ („unstreitig war die Dame Enite die allerschönste junge Frau“).
  • Ebenso unangenehm, aber nicht immer zu vermeiden, ist der Gerichtsstreit, der im Mhd. auch durch „strît“ bezeichnet werden kann.
  • Der „strît“ kann weiterhin den „Wetteifer“ bzw. das „Streben“ nach etwas meinen: Wenn z.B. mehrere Edelsteine „in strîte“ leuchten, dann leuchten sie miteinander „um die Wette“.



Der mhd. „strît“ ist also ein Begriff mit einem weiten Bedeutungsspektrum, das zwar stets in Verbindung mit dem gegenwartsdeutschen „Streit“ steht, allerdings meist nicht als solcher übersetzt werden kann.



Der Beitrag erschien das erste Mal auf dem Instagram-Kanal von Hartmanns Aue.