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Aus dem ›Physiologus‹: Vom Löwen

Der ›Physiologus‹ ist ein naturkundliches, ursprünglich altgriechisches Werk aus dem 2. Jh., das im Mittelalter vielfach rezipiert und übersetzt wurde und dessen heilsgeschichtliche Naturdeutungen enormen Einfluss auf die mittelalterliche Literatur hatten. Der Löwe, so berichtet uns der ›Physiologus‹, besitzt drei Eigenschaften:



1. Damit er nicht von den Jägern gefangen werden kann, verwischt er seine Spuren mit dem Schwanz.

  • Genauso verdeckt Jesus Christus, der auch „Löwe aus Davids Geschlecht“ genannt wird, seine „göttliche Spur“ mit seiner Menschlichkeit.



2. Wenn der Löwe schläft, sind seine Augen offen.

  • Auch bei Christus ist das so: Während er als Mensch schläft, wacht die Gottheit.



3. Die Löwin gebärt tote Jungen. Erst am dritten Tag werden sie vom Löwenvater lebendig gemacht, indem er ihnen ins Gesicht pustet.

  • Ebenso hat Gott seinen Sohn Jesus Christus am dritten Tag von den Toten auferweckt.



Schön hat der Physiologus vom Löwen gesprochen!



Für diese und mehr Tierdeutungen: Maurer, Friedrich (Hg.): Der altdeutsche Physiologus. Die Millstätter Reimfassung und die Wiener Prosa (nebst dem lat. Text und dem ahd. Physiologus). Tübingen: Niemeyer 1967 (Altdeutsche Textbibliothek 67).



Der Beitrag erschien das erste Mal auf dem Instagram-Kanal von Hartmanns Aue.