ellend ≠ elend
Hartmanns Aue
Naja, so ganz hundertprozentig stimmt das zwar nicht, aber schauen wir uns die Sache einfach mal etwas genauer an: Wer in einem mittelhochdeutschen Text „ellend(e)“ ist, ist zuallererst einmal „fremd“, „von etw. geschieden“ oder gar „vertrieben, verbannt“.
So ist der „gotes ellende“ ein „von Gott Geschiedener“ und jemand, der als „an freuden ellende“ beschrieben wird, ist „freudlos“.
Wenn man aber von der Heimat getrennt ist, kommt es mitunter vor, dass einem dadurch Leid und Ungemach entstehen. In entsprechenden Kontexten lässt sich „ellend“ dann tatsächlich mit „unglücklich, jammervoll“ oder eben „elend“ übersetzen; bspw. wenn es um die „ellenden sêlen“ („unglücklichen Seelen“) der Menschen geht.
Je nach Zusammenhang kann „ellend“ also durchaus „elend“ bedeuten. Diese Bedeutung ergibt sich aber erst sekundär aus dem „ellend“-Seins im Sinne eines „fremd“-Seins.
Nachzuschlagen wie immer in den geläufigen Wörterbüchern.
Der Beitrag erschien das erste Mal auf dem Instagram-Kanal von Hartmanns Aue.