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›Martin Schongauer: Le bel immortel‹ im Louvre

Martin Schongauer (Colmar, um 1445 – Vieux-Brisach, 1491), von Albrecht Dürer als „der schöne Martin“ bezeichnet, war ein virtuoser Maler, Zeichner und Kupferstecher, der jedoch außerhalb des Kreises von Fachleuten und Kunstliebhabern weitgehend unbekannt geblieben ist. Dabei zählt er zu den bedeutendsten und beliebtesten Künstlern des Spätmittelalters. Anhand von rund hundert Werken beleuchtet vom 8. April bis 20. Juli 2026 eine Sonderausstellung im Louvre in Paris das Schaffen Schongauers und seinen Einfluss über Grenzen und Epochen hinweg. Sie zeigt einige seltene Zeichnungen und eine große Auswahl an Druckgrafiken, denen er seinen europäischen Ruhm verdankt, sowie erstmals fast alle ihm zugeschriebenen Gemälde (Altarbilder und Staffeleibilder), darunter die außergewöhnliche „Madonna im Rosenstrauch“ von 1473, sein einziges datiertes Tafelbild.



Die Ausstellung gliedert sich in zwei große Kapitel: Das erste zeichnet das Leben und Werk von Martin Schongauer nach; das zweite befasst sich mit dem tiefgreifenden Einfluss, den seine Stiche auf die europäische Bildkultur hatten.



Über das Leben von Martin Schongauer ist aufgrund der spärlichen Quellen nur wenig bekannt. Als Sohn und Bruder von Colmarer Goldschmieden erlangte er in seinen Radierungen schon früh große Meisterschaft in der feinen Arbeit mit dem Stichel und übertraf das Vorbild seines älteren Bruders, des Meisters ES, durch seinen ausgeprägten Sinn für Präzision und sein klares Verständnis für die Darstellung von Tiefe. Seine frühen Werke zeugen von seiner Kenntnis der Kunst der großen Maler der südlichen Niederlande wie Rogier van der Weyden, aber auch der Künstler aus Nürnberg, einer Stadt, in der er sich vermutlich im Rahmen einer Reise zwischen etwa 1465 und 1470 aufgehalten hat.



Nur wenige kostbare Gemälde von Schongauer sind bis heute erhalten geblieben. Sie zeugen von einem ausgeprägten ästhetischen Gespür sowohl bei der Darstellung der Menschen als auch bei der Gestaltung der Umgebung und von einer tiefen Liebe zum ornamentalen oder naturalistischen Detail. Die kleinen, von Schongauer gemalten Tafeln heben die neue, innige Beziehung zwischen der Jungfrau und dem Kind, die Gelassenheit der Anbetungsszenen und die herausragende Rolle Marias hervor. Die Ausstellung stellt diese für den privaten Andachtsgebrauch bestimmten Werke den großen, von religiösen Institutionen in Auftrag gegebenen Ensembles gegenüber – sie schmückten Kirchen in Colmar oder die Komturei von Issenheim und haben das Elsass nur selten verlassen.



Der verführerische Stil von Martin Schongauer findet jedoch in seinen Druckgrafiken seinen Höhepunkt. Seine beeindruckende technische Virtuosität verbindet sich mit seiner fundierten Kenntnis apokrypher Texte oder der Hagiographien. Darin offenbart er sich als gebildeter Künstler, als einfallsreicher und feinfühliger Erzähler sowie als scharfsinniger Beobachter der Natur. Er nutzt die Vielfalt der Motive, um ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Neben religiösen Szenen greift er auch Tier- und Fantasiethemen sowie dekorative Elemente auf.



Der zweite Teil der Ausstellung befasst sich mit dem Werk des Künstlers im Wandel von Zeit und Raum. Auch nach seinem Tod übte Schongauers Kunst, insbesondere seine Druckgrafiken, weiterhin eine außerordentliche Anziehungskraft auf Künstler aus. Zahlreiche Zeichnungen, Gemälde, Stiche, gedruckte Bücher, Skulpturen und Kunstgegenstände, die vom Ende des 15. bis ins 17. Jahrhundert entstanden sind – von Spanien über Frankreich und Böhmen bis nach Italien –, stammen von unbekannten oder bekannten Künstlern und lassen sich mehr oder weniger frei von den Werken des berühmten Kupferstechers inspirieren.



Aus über tausend relevanten Werken wurde eine Auswahl getroffen, um diese geografische Verbreitung zu veranschaulichen, die weit über die Grenzen des Heiligen Römischen Reiches hinausreicht. Diese dauerhafte Beständigkeit verleiht ihm den Status eines „Unsterblichen“.



Weitere Informationen zur Ausstellung findet ihr hier.