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›Druck mir ’ne Handschrift!‹ in Heidelberg

Aufwendig gefertigte Reproduktionen mittelalterlicher Handschriften – sogenannte Facsimilia – stehen bis zum 10. Oktober 2026 im Mittelpunkt einer Ausstellung, die im Universitätsmuseum Heidelberg zu sehen sein wird. Gezeigt werden Nachbildungen unterschiedlicher Buchgattungen – von großformatigen, reich mit Buchmalerei ausgestatteten Evangeliaren bis hin zu sehr kleinen, mit besonderer Raffinesse und Detailgenauigkeit ausgeführten Stundenbüchern. Die Präsentation will deutlich machen, welche Erkenntnisse diese Reproduktionen ermöglichen, und thematisiert zugleich das Spannungsverhältnis zwischen Original und Nachbildung. Die rund 35 Exponate stammen zum größten Teil aus dem Bestand des Instituts für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg. Eröffnet wurde die Ausstellung ›Druck mir ’ne Handschrift!‹, die von einer Veranstaltungsreihe begleitet wird, am 23. April 2026.



Poster zur Ausstellung: Facsimilia des Instituts für Europäische Kunstgeschichte

„Facsimilia machen zentrale Aspekte der mittelalterlichen Buchkultur für heutige Leserinnen und Leser erfahrbar. Sie verdeutlichen die Größendimensionen der Handschriften und das Zusammenspiel von Text und Bild“, betont Prof. Dr. Rebecca Müller, die am Institut für Europäische Kunstgeschichte lehrt und forscht. Die Herstellung von Facsimilia ist komplex, wie die Professorin für Mittelalterliche Kunstgeschichte erläutert: Nicht nur werden die einzelnen Seiten mit ihren Goldauflagen und Alterserscheinungen möglichst originalgetreu reproduziert, auch die Repliken der kostbaren Einbände werden in Teilen von Hand gefertigt. Die Ausstellung wurde unter der Leitung von Prof. Müller und Prof. Dr. Tino Licht, Abteilung für Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit am Historischen Seminar der Universität Heidelberg, im Rahmen interdisziplinärer Lehrveranstaltungen mit Studierenden erarbeitet.



„Wir haben die Ausstellung so konzipiert und die Exponate so ausgewählt, dass wir das Spannungsfeld von Original und Reproduktion ausloten und die Vorteile, Probleme sowie die unterschiedlichen Facetten der Gattung Facsimile aufzeigen können“, erläutert Sophie Marie Daschner, die als Studentin an der Erarbeitung der Ausstellung mitgewirkt hat. Diese richtet den Blick auch auf aktuelle Entwicklungen: Zunehmend werden Facsimilia durch breiter zugängliche Digitalisate ergänzt oder ersetzt, die jedoch die materiellen Eigenschaften der Handschriften nicht erfahrbar machen. Das Institut für Europäische Kunstgeschichte verfügt nach der großzügigen Schenkung eines Mannheimer Ehepaars über einen außergewöhnlich umfangreichen Bestand von insgesamt mehr als 70 Facsimilia. In der Ausstellung sind zudem einige Objekte unter anderem aus der Universitätsbibliothek Heidelberg sowie aus Privatbesitz zu sehen.



Die begleitende Veranstaltungsreihe befasst sich mit dem Faksimilieren aus der Perspektive von Forschung und Praxis. Eröffnet wird sie am 28. April mit einem Vortrag von Dr. Christoph Mackert. Der Leiter des Handschriftenzentrums der Universitätsbibliothek Leipzig spricht über das Thema ›Sharing manuscripts. Ein Parcours durch 250 Jahre Faksimilierung‹. In weiteren Vorträgen geht es zum Beispiel um den Bamberger Psalter aus dem 13. Jahrhundert. Die insgesamt fünf Beiträge der Reihe finden jeweils dienstags statt und beginnen um 18.15 Uhr. Veranstaltungsort ist Raum 001 im Institut für Europäische Kunstgeschichte, Seminarstraße 4.



Die Ausstellung ›Druck mir ’ne Handschrift! Facsimilia des Instituts für Europäische Kunstgeschichte‹ wird bis zum 10. Oktober 2026 im Universitätsmuseum gezeigt. Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags von 10 bis 16 Uhr, zwischen Juni und September dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Ausstellungskatalog ist gedruckt im Unishop erhältlich und online auf der Open-Access-Plattform heiBOOKS der Universitätsbibliothek Heidelberg zugänglich.



Weitere Informationen zur Ausstellung findet ihr auf der Webseite der Universität Heidelberg.