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Präsentation des ›Münchener Boccaccio‹

Der „StabiLiebling” im Monat Juni 2026 ist der sogenannte ›Münchener Boccaccio‹, die berühmteste französische Handschrift im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek, die in der Bayerischen Staatsbibliothek in München am Mittwoch, 17. Juni, und Donnerstag, 18. Juni 2026, von 10:00 bis 19:00 Uhr präsentiert wird.



Der Codex wurde 1458 von Pierre Faure geschrieben und enthält Giovanni Boccaccios ›De casibus virorum illustrium‹ in der französischen Fassung, übersetzt von Laurent de Premierfait. Das Werk, in dem der bekannte italienische Dichter Schicksale berühmter Frauen und Männer schildert, zählte schon bald zu den populärsten Büchern des europäischen Adels und war 200 Jahre lang ein „Bestseller”. Besonders in Frankreich stieß das Werk auf großes Interesse, das sich in mehreren Übersetzungen und zahlreichen illuminierten Handschriften niederschlägt. Mit 91 prächtigen Miniaturen, von Jean Fouquet und seiner Werkstatt zwischen 1459 und 1465 in Tours angefertigt, zählt der „Münchener Boccaccio” zu den kostbarsten Handschriften dieser Art.



Die 352 Blatt starke Pergamenthandschrift lässt sich seit 1582 in der Hofbibliothek in München nachweisen und wird heute in der Bayerischen Staatsbibliothek mit der Signatur ›Cod.gall. 6‹ aufbewahrt. Während der Präsentation ist bzw. war das Autoren- und Dedikationsbild auf Blatt 10r aufgeschlagen, das Elemente italienischer und französischer Buchmalerei verbindet.



Mehr als ein Autorenbild



Der „Münchener Boccaccio” – Cod.gall. 6, Blatt 10v: Autoren- und Dedikationsbild | © BSB

Die aufwendig gestaltete Miniatur zeigt zwei getrennte Szenen: rechts die Übergabe der Handschrift an Mainardo Cavalcanti, einem persönlichen Freund Boccaccios; links öffnet sich der Blick in das „Studiolo”, in dem der Autor an einem Buch schreibt.



Im Vordergrund der rechten Szene kniet ein Bote vor Mainardo Cavalcanti und übergibt ihm die mit Buckelbeschlägen verzierte Handschrift. Cavalcanti trägt modische zweifarbige Hosen, Oberkleid und Kopfbedeckung, ebenso wie die zwei Figuren rechts von ihm. Dies entspricht der Florentiner Kleidung Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Straßenflucht mit spitzgiebeligen Häusern, Dachrinnen und Auslegern trägt im Gegensatz dazu jedoch eindeutig französische Züge. Reiter und Fußgänger betonen den zentralperspektivischen Aufbau des Bildes.



Abgehoben von der bevölkerten Straßenszene erhebt sich links ein monumentaler Steinbau, dessen hoher Rundbogen und angeschnittener Giebel sowie das Porträtmedaillon in der oberen Ecke klare Renaissanceformen erkennen lassen.



Im Inneren sitzt auf einem hölzernen Thron mit Baldachin in spätgotischen Formen der Schriftsteller selbst bei der Arbeit, neben sich ein konisches Chorpult mit drei Büchern. Ohne von Boccaccio wahrgenommen zu werden, drängen sich im Hintergrund des Raumes zahlreiche gekrönte Frauen und Männer und nehmen auf den Inhalt des Werkes ›De casibus virorum illustrium‹ (›Über den Fall bedeutender Männer [und Frauen]‹) Bezug.



Eine Inschrift am Sockel zeigt das Motto „SUR LY N’A REGARD” (sur lui n’a regard – auf ihn richtet sich kein Blick) des Laurent Gyrard, der den ›Münchener Boccaccio‹ in Auftrag gegeben hatte.



Die mehrschichtige Szenerie wird von einem breiten Band gerahmt, das neben floralem Dekor auch Drôlerien (skurrile Szenen) mit Menschen und Tieren bzw. Fabelwesen zeigt. Die Miniatur stellt die Meisterschaft Jean Fouquets unter Beweis, der in Italien die Anfänge der Renaissance persönlich kennengelernt hatte und gleichzeitig in der französischen Tradition verhaftet geblieben ist.



Der ›Münchener Boccaccio‹ ist vollständig digitalisiert und ist in den Digitalen Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek zu finden. Weitere Informationen zur Veranstaltung findet ihr hier.