Essener Domschatz präsentiert sich nach Umbau in neuem Glanz
Neue Farben, modernes LED-Licht und eine thematisch teilweise neu geordnete Ausstellung: Nach vier Monaten Umbau öffnet der Essener Domschatz am Wochenende wieder seine Türen. Besucherinnen und Besucher erwarten ab Samstag, 1. August 2026, mehr Orientierung und neue Einblicke in den Schatz von Weltrang.
Man kennt das ja von zuhause: Wird die richtige Glühbirne nicht mehr produziert, muss eine neue Lampe her, die passt aber nicht zum bisherigen Schrank – und wo man gerade eh umräumt, wäre einmal neu streichen auch nicht schlecht. Ungefähr so sind in den vergangenen Jahren die Diskussionen im Essener Domschatz gelaufen. Handlungsbedarf gab es spätestens, als Dombaumeister Ralf Meyers die speziellen Halogen-Leuchten für die Vitrinen mit den mittelalterlichen Goldschmiede-Exponaten nur noch über zunehmend dubios erscheinende Quellen beziehen konnte. Nach viermonatiger Umbaupause zeigt der Domschatz seine Ausstellung nun nicht nur in neuem, sparsamerem LED-Licht, sondern auch in farblich und thematisch neu gestalteten Räumen. Erstmals seit dem großen Schatzkammer-Umbau vor 17 Jahren präsentiert sich das Museum am Essener Dom ab Samstag, 1. August, in einem neuen Ambiente.
Wenn die Gäste dann durch die Glastür vom Foyer in die Ausstellung kommen, werden sie nicht nur von der neuen Farbe der Erdgeschoss-Räume empfangen, sondern auch von zwei neuen Objekten: Neben der bekannten, rund 500 Jahre alten „Strahlenkranz-Madonna“ sind nun zwei ähnlich alte hölzerne Marienbilder zu sehen. Wie die beiden deutlich größeren und ebenfalls doppelseitig bemalten Altarbilder in der benachbarten Anbetungskirche stammen sie von Bartholomäus Bruyn dem Älteren (1493-1555) und sind erst seit Kurzem wieder im Bestand des Domschatzes. Zusammen mit der „Strahlenkranz-Madonna“ widmet der Domschatz im Eingang nun eine ganze Wand der Gottesmutter Maria, der wichtigsten Patronin der früheren Stifts- und heutigen Domkirche.
Überschriften für jeden Raum bieten bessere Orientierung
Vor dieser Wand hat das Domschatz-Team für Platz gesorgt: Die mitten im Raum ausgestellten, kunstvoll gestalteten Schreine für die Reliquien des Essener Stifts- und Stadtgründers Altfrid sind in eine Wandvitrine umgezogen. „So können wir hier Stühle für bis zu 30 Gäste aufstellen, zum Beispiel für Vorträge und Präsentationen“, erklärt Domschatz-Leiterin Andrea Wegener.
Die neue graue Wandfarbe im Erdgeschoss wirkt vor allem im benachbarten Skulpturen-Raum. Dort heben sich nun nicht nur die lebensgroßen weißen Figuren von Engelbert und Johannes Nepomuk deutlich vom Hintergrund ab – auch die bunten Fenster kommen besser zum Vorschein. Worum es bei fast allen Objekten im Domschatz geht, wird nun mit jeder neuen Wand-Inschrift deutlich: In Blattgold verweisen große Buchstaben auf „Mächtige Frauen und ihr Schatz“ im Eingangsraum, „Glanz und Heiligtum“ im Obergeschoss oder mit „Bunt, filigran und einzigartig“ auf die Gold- und Email-Kunst im Untergeschoss. So lenkt schon die Schriftfarbe den Blick darauf, dass Wegeners Team am Essener Domschatz einen mittelalterlichen Goldschatz von Weltrang präsentiert.
Ausstellung nicht mehr chronologisch, sondern thematisch sortiert
Die goldenen Überschriften der Räume, die neue Farbgebung und die drei Domschatz-Etagen sollen den Gästen vor allem mehr Orientierung bieten. Dabei hilft auch eine neue Sortierung in der Ausstellung: Vor allem im Obergeschoss „haben wir uns von der bisherigen chronologischen Ordnung getrennt und uns um eine thematische Zusammenstellung der Vitrinen bemüht“, erläutert die stellvertretende Domschatz-Leiterin Daniela Krupp. So begegnen die Domschatzgäste gleich nach dem Treppenaufstieg in die nun ganz in blau gehaltene Etage der aus Silber und Gold gearbeiteten Büste des Heiligen Marsus. Gleich daneben zeigen zwei Wandvitrinen die einzigartigen Agraffen des Domschatzes: Detailreich gestaltete, kostbare Broschen, die einst die Kleidung schmückten und später der Marsus-Büste umgelegt waren.
Große, neue Texttafeln erläutern, was es mit den Reliquien und ihren kostbaren Behältern auf sich hat und warum diese für die Menschen im Mittelalter so besonders waren. „Diese Reliquien waren der wahre Schatz des Essener Stifts“, erklärt Wegener. Durch die knöchernen Überreste heiliger Menschen fühlten sich die Stiftsfrauen und ihre Zeitgenossen mit diesen Heiligen besonders eng verbunden – und damit letztlich mit Gott.
Bessere Verständlichkeit durch neue Objektbeschreibungen
Wie die Texttafeln sind auch alle Objektbeschreibungen an den Vitrinen neu. „Allein daran haben wir rund eineinhalb Jahre gearbeitet“, so Wegener. Bei den Formulierungen haben sie sich auf die Gratwanderung zwischen guter Verständlichkeit und wissenschaftlicher Exaktheit begeben, „immer mit dem Ziel, unsere Ausstellungsstücke möglichst allen Gästen präsentieren zu können.“ Fachbegriffe aus Kunstgeschichte und Kirchenkontext wurden so weit wie möglich ersetzt.
So wurde aus dem großen „Kapitelskreuz“ das „Silberne Kreuz“ und aus dem „Minnekästchen“ – dem frühesten Altfrid-Schrein – ein „Holzkästchen“. Auch ein aktualisierter Wissensstand über einzelne Objekte ist in die neuen Beschriftungen eingeflossen. Zudem können die Objektbeschreibungen jetzt im Handumdrehen ausgetauscht werden, zum Beispiel wenn ein Ausstellungsstück verliehen ist oder gerade gereinigt wird.
Andrea Wegener und Daniela Krupp sind froh, dass der Umbau nun abgeschlossen ist. Sie freuen sich: „Unser Schatz präsentiert sich in neuem Glanz. Jetzt sind wir gespannt auf die Reaktionen unserer Besucherinnen und Besucher“, sagen die Domschatz-Hüterinnen. Ab dem Wochenende können die Gäste wieder auf Entdeckungstour gehen, zwischen jahrhundertalten Kreuzen, Kelchen und Reliquien, Silber, Gold und handgeschriebenen Büchern.
Umbaukosten werden komplett durch Spenden finanziert
275.000 Euro hat der Umbau gekostet. „Dieses Geld wurde dem Domschatz ausschließlich aus Spenden und Fördermitteln zur Verfügung gestellt“, erläutert Wegener. Allein 244.000 Euro hat der Münsterbauverein beigesteuert und damit vor allem die neue Beleuchtung der Vitrinen und Räume finanziert – mit 210.000 Euro der weitaus größte Anteil der Umbaukosten.
Weitere Unterstützung kam von der Sparkasse Essen, der „Dr. Josef und Brigitte Pauli- Stiftung“ und dem Verein „wir.einander“. Wir sind allen von Herzen dankbar, die dazu beigetragen haben, dass der bedeutsame Domschatz sich neu präsentieren kann “, betont Dompropst Michael Dörnemann. „Diese Unterstützung zeigt die große Wertschätzung, die der Domschatz und die wichtige Arbeit der dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfahren.“
Der Essener Domschatz, Öffnungszeiten und Eintritt
Der Essener Domschatzes zeigt die weltweit größte Sammlung ottonisch-salischer Goldschmiedekunst aus dem 10. und 11. Jahrhundert. Dazu gehören das Ensemble einzigartiger Vortragekreuze und der goldene Buchdeckel des Theophanu-Evangeliars sowie das Essener Schwert und die Essener Krone. Die Goldene Madonna im Dom ist die älteste vollplastische Marienfigur der Welt und das bedeutendste Kunstwerk im Ruhrgebiet. Auch der Siebenarmige Leuchter im Dom ist der älteste erhaltene seiner Art. Hinzu kommen Schatzkunst und Skulpturen von der Gotik bis ins 20. Jahrhundert. Zusammen mit kostbaren Handschriften aus der Zeit des 8. bis 15. Jahrhunderts ist der Domschatz-Bestand Zeugnis des liturgischen Lebens der Essener Stiftsfrauen und des jungen Bistums.
Geöffnet ist der Domschatz dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie an jedem 1. Freitag im Monat von 14 bis 21 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro – für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.
Die neu gestalteten Ausstellungsräume präsentiert das Domschatz-Team am Samstag, 1. August, um 12 und am Sonntag, 2. August, um 13 Uhr in Öffentlichen Führungen. Die Gebühr für die Teilnahme ist dann bereits im Eintrittspreis enthalten. Zudem lädt das Domschatzteam am Sonntag, 2. August, zum Familientag ein. Dann haben Familien (bis zu zwei Erwachsene mit Kindern bis 18 Jahren) freien Eintritt.
Weitere Informationen zum Essener Domschatz findet ihr auf dessen Webseite.