Ausstellung in Stuttgart: ›Zier & Zeichen: Was Männer schmückt‹
Mit der Großen Sonderausstellung ›Zier & Zeichen: Was Männer schmückt‹ widmet sich das Landesmuseum Württemberg vom 17. Oktober 2026 bis 25. April 2027 erstmals umfassend der Kulturgeschichte des Männerschmucks. Ausgehend von den Sammlungen des Hauses und ergänzt durch hochkarätige Leihgaben zeichnet die Ausstellung eine außergewöhnliche Zeitreise von der Steinzeit bis in die Gegenwart nach. Dabei zeigt sie, wie Männer Schmuck nutzten und nutzen, um Zugehörigkeit, Individualität, Macht, Status oder Erfolg sichtbar zu machen – und wie eng Schmuck und Vorstellungen von Männlichkeit seit jeher miteinander verbunden sind.
In acht Bereichen verbindet ›Zier & Zeichen‹ archäologische Funde, historische Artefakte, kunsthandwerkliche Arbeiten und zeitgenössische Positionen. Die Ausstellung spannt den Bogen von Körperschmuck und der Körpermodifikation über den Wandel funktionaler Objekte zu Schmuckstücken bis hin zu Schmuck als Zeichen von Identität, Macht, Amt, Würde und Status. Weitere Bereiche widmen sich Ringen und Uhren und zeigen, wie Schmuck gesellschaftliche Normen bestätigt, hinterfragt oder bewusst durchbricht.
Leihgaben aus dem Linden-Museum Stuttgart erweitern die Perspektive über Europa hinaus. Zeitgenössische Positionen steuern Studierende des Studiengangs Schmuck der Hochschule Pforzheim bei, deren Arbeiten im Museumsfoyer „Dürnitz“ präsentiert werden.
Eine Zeitreise durch 10.000 Jahre Männerschmuck
Bereits in der Steinzeit schmückten die Menschen ihre Körper mit Muscheln, Tierzähnen, Federn oder Anhängern aus Mammutelfenbein. Schmuck machte Zugehörigkeit sichtbar und hatte eine soziale oder spirituelle Bedeutung. Mit den Metallzeiten entstanden neue Möglichkeiten, gesellschaftlichen Rang zu demonstrieren.
In der Bronzezeit und bei den Kelten wurden kostbare Gürtelbestandteile, Goldschmuck und repräsentative Waffen zu sichtbaren Zeichen von Macht und Ansehen. Auch die Etrusker und Skythen entwickelten reiche Schmuckkulturen. Während etruskische Männer Armreife, Siegelringe und Anhänger trugen, beeindruckten die Skythen durch Goldschmuck und großflächige Tätowierungen – ein früher Beleg dafür, dass Körpermodifikationen seit Jahrtausenden zur männlichen Selbstdarstellung gehören.
Die klassische Antike setzt einen Kontrapunkt: Im antiken Griechenland galt der gepflegte und trainierte Körper als Ausdruck männlicher Exzellenz. Duftöle, Frisuren und Kränze gehörten zur Selbstdarstellung. Im republikanischen Rom wurden dagegen Schlichtheit und Selbstbeherrschung zum Ideal. Auffälliger Schmuck galt als eitel und unmännlich und trat in den Hintergrund – der Fingerring blieb jedoch ein wichtiges Rang- und Statuszeichen. Zum Schutz trugen Männer Amulette, Jungen zudem die sogenannte Bulla als Schutzkapsel. Im frühen Mittelalter zeigten alemannische Eliten ihren Rang durch kostbare Schwerter und metallbeschlagene Gürtel. Bart und langes Haar galten als Zeichen von Herrschaft und Macht.
Von Herrschern, Bürgern und Popstars
In der Renaissance und im Barock erlebte die männliche Schmuckkultur in Europa einen weiteren Höhepunkt. Herrscher und Adelige schmückten sich opulent mit Edelsteinen, Perlen und kostbaren Gewändern. Schmuck diente der Inszenierung politischer Macht und gesellschaftlicher Stellung.
Erst das 19. Jahrhundert brachte mit dem bürgerlichen Ideal von Nüchternheit und Zurückhaltung einen grundlegenden Wandel. Schmuck verschwand weitgehend aus der männlichen Alltagskultur und galt als „unmännlich“. Taschenuhren, Siegelringe oder Manschettenknöpfe blieben lange die wenigen akzeptierten Formen männlicher Zier.
Seit dem 20. Jahrhundert wird dieses Verständnis zunehmend hinterfragt. Popkultur, Subkulturen und internationale Einflüsse eröffneten neue Formen männlicher Selbstdarstellung. Ob Glam Rock, Hip-Hop oder queere Kultur – Schmuck wurde erneut zu einem Mittel, um Zugehörigkeit, Erfolg, Individualität oder Protest sichtbar zu machen. Heute stehen klassische Statussymbole neben Tattoos, Perlenketten oder genderfluiden Schmuckformen – Schmuck zeigt, wie vielfältig männliche Identitäten heute gelebt werden.
Männlichkeit im Wandel
›Zier & Zeichen: Was Männer schmückt‹ macht deutlich, dass Schmuck weit mehr ist als Dekoration. Ob Gürtelschnalle, Fingerring, Duftöl, Tattoo oder Perlenkette: Schmuck ist seit Jahrtausenden Teil männlicher Identität. Seine Formen wandeln sich – seine Funktion, Zugehörigkeit, Status und Persönlichkeit sichtbar zu machen, bleibt erstaunlich konstant.
Zur Ausstellung erscheint ein hochwertig gestaltetes und reich bebildertes Magazin im NünnerichAsmus Verlag. Ein vielfältiges Veranstaltungs- und Begleitprogramm ergänzt die Präsentation.
Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Webseite des Landesmuseums Baden-Württemberg.