›Haltet euch fest: Identität und Intimität in spätmittelalterlichen Stundenbüchern‹ in Den Haag
In der Ausstellung ›Hou vast‹ zeigt das Rijksmuseum Meermanno über 30 Stundenbücher aus dem Spätmittelalter neben moderner und zeitgenössischer Kunst. Besucherinnen und Besucher entdecken persönliche Geschichten über Glauben, Rituale und Identität. Besondere Aufmerksamkeit gilt den weiblichen Auftraggeberinnen, Eigentümerinnen und Nutzerinnen der Bücher. Porträts, Kalendereinträge, persönliche Notizen und Gebrauchsspuren geben Einblick in ihre persönliche Welt.
Was sind Stundenbücher?
Gebetbücher enthielten Gebete, die zu festgelegten Tageszeiten gelesen wurden. Sie waren für den persönlichen Gebrauch bestimmt, und viele Exemplare wurden speziell im Auftrag angefertigt. Die Besitzer konnten den Inhalt und die Gestaltung nach ihrem Geschmack und ihren Vorlieben anpassen lassen.
Die reich illustrierten Bücher wurden aus kostbaren Materialien hergestellt. Gleichzeitig wurden sie täglich benutzt. Man hielt sie in den Händen, las darin, schrieb darin und nahm sie mit. Die Spuren davon sind in den Büchern noch immer zu sehen.
Welche Stundenbücher sind zu sehen?
Eines der ausgestellten Werke ist ein Stundenbuch, das um 1460 für das Ehepaar Lochorst angefertigt wurde. Es wird dem Meister der Katharina von Kleve zugeschrieben. Außerdem ist ein Stundenbuch zu sehen, das Barbara van Hertsvelde und Willem Moreel gehörte, die durch ihre Porträts von Hans Memling bekannt sind. Darüber hinaus zeigt das Museum eines der letzten erhaltenen Beutelbücher der Welt. Aufgrund seiner Form konnte ein solches Buch an einem Gürtel getragen werden.
Für die Ausstellung arbeitet das Museum mit der Kunsthistorikerin und Musikerin María Pandiello zusammen. Sie beschäftigt sich mit Handschriften des Spätmittelalters und frühen Druckwerken aus dem 15. und 16. Jahrhundert und ist Gründerin des Instagram-Accounts Visions of Manuscripts.
Historische Bücher und zeitgenössische Kunst
Die Gezeitenbücher werden mit Werken von Raphaëlle Benzimra, Dolf Henkes, Natasja Kensmil und Marenne Welten kombiniert. Dakota Magdalena Mokhammad und Denys Shantar schaffen speziell für die Ausstellung neue Werke, die von den ausgestellten Büchern inspiriert sind. Die Kunstwerke bieten unterschiedliche Perspektiven auf Geschichte, Glauben, Rituale und Identität. So entsteht eine Verbindung zwischen den persönlichen Geschichten früherer Besitzer und denen heutiger Künstler.
Ein Stundenbuch aus nächster Nähe betrachten
Zwischen Oktober und Februar haben 30 Besucher die Möglichkeit, unter Anleitung eines Mitarbeiters ein authentisches Stundenbuch durchzublättern und aus nächster Nähe zu betrachten.
Weitere Informationen zur Ausstellung findet ihr hier.