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Nachdruck des Mechthild-Codex in Magdeburg überreicht

Nach rund 800 Jahren kehrt das Werk der Magdeburger Mystikerin Mechthild von Magdeburg (1207–1282/94) in besonderer Form in ihre Heimatstadt zurück. Im Rahmen einer Festveranstaltung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg überreichte Bischof Dr. Gerhard Feige am Mittwoch, dem 23. September 2026, ein Exemplar an Dr. Gabriele Köster, Direktorin der Magdeburger Museen. Im Kulturhistorischen Museum wird der Codex künftig aufbewahrt.



Mechthild von Magdeburg gilt als eine bedeutende Vertreterin der mittelalterlichen Mystik. Um 1250 verfasste sie ihr Hauptwerk ›Das fließende Licht der Gottheit‹, in dem sie Visionen, Gebete, Meditationen und Lehrreden festhielt. Mechthild schloss sich der Armutsbewegung der Beginen an und verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Kloster Helfta. Ihr Werk verbindet die Geschichte Magdeburgs mit der europäischen und internationalen Geistesgeschichte und gibt zugleich Einblick in die religiösen Erfahrungen und die Lebenswelt einer Frau des 13. Jahrhunderts.



Mechthilds Original-Manuskript ist verschollen. Die Mystikerin hatte ihre Visionen niedergeschrieben, Gebete, Meditationen und Lehrreden. Eine Abschrift aus den 1340er Jahren liegt aber in der Bibliothek des Benediktinerklosters Einsiedeln in der Schweiz. Eigentlich war sie ein Geschenk einer Begine an die früheren „Waldschwestern in der vorderen und hinteren Au“, unweit von Einsiedeln. „Sie sind die Erbinnen des Buches“, sagt Maria Faber von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – eine der treibenden Kräfte dahinter, das Buch, das sie vergangenes Jahr mit einer Gruppe Pilgerinnen des Bistums Magdeburg besuchte, wieder nach Magdeburg zu bringen. Nicht im Original – das bleibt in Einsiedeln, wohltemperiert und behütet. Stattdessen wurden vier hochwertige Nachdrucke angefertigt. Die Priorin des Klosters Au, Schwester Felizitas Elmiger, hatte sich das für ihr Kloster gewünscht.



Die Nachdrucke gehen auf die gelernte Buchbinderin Angelika Pohler zurück, welche die Seiten geschnitten, gefalzt, auf echte Bünde geheftet und in Leder gebunden hat. Anders als bei einem Faksimile, einer originalgetreuen Nachbildung, wurde der Nachdruck um einige Seiten erweitert: Die Widmung an die ehemaligen Waldschwestern in Au steht nun leicht lesbar in moderner Schrift am Anfang. Auch hat das Werk ein Titelblatt bekommen, das es in der Abschrift nicht gab. Hinten ist eine neue Widmung abgedruckt: Eines der Exemplare übergab die kfd beim diesjährigen Frauenfest des Bistums den Schwestern im Kloster Helfta, in dem Mechthild von Magdeburg zuletzt lebte, als Dauerleihgabe. Auch Bischof Gerhard Feige erhielt ein Exemplar, das er dem Kulturhistorischen Museum Magdeburg schenken wird.



Dieser Übergabe wohnten nun rund 130 Gäste bei einer Abendveranstaltung bei, die sich mit der Geschichte und Bedeutung des Werkes sowie dem Wirken von Mechthild von Magdeburg widmete. Musikalisch begleitet wurde der Abend durch Marlene Holzwarth (Mezzosopran), Alexandra Mikheeva (Posaune) und Fynn Liess (Virginal). Neben Bischof Dr. Feige und Museumsdirektorin Dr. Köster wurden zahlreiche Ehrengäste begrüßt, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Magdeburg, des Landesfrauenrates Sachsen-Anhalt sowie die Künstlerin Angelika Pohler.



Einen persönlichen Einblick gab Maria Faber. Sie berichtete von der Pilgerreise in die Schweiz zum Benediktinerinnenkloster Au, um den Codex vor Ort zu begutachten. An der Reise nahmen 16 Multiplikatorinnen aus den Bereichen Frauenbildungs- und Demokratiearbeit aus dem Bistum Magdeburg, der Ev. Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sowie dem Land Sachsen-Anhalt teil. Die Reise war ein Kooperationsprojekt des Bistums Magdeburg, des kfd-Diözesanverbandes Magdeburg, des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Europa, der Katholischen Erwachsenenbildung e.V. sowie TOLL e.V. und wurde durch das Bonifatiuswerk gefördert.



Hommage von Prof. Dr. Hildegund Keul

Den inhaltlichen Höhepunkt des Abends bildete der Vortrag der renommierten Theologin und Germanistin Prof. Dr. Hildegund Keul von der Universität Würzburg. In ihrer Habilitationsschrift beschäftigte sie sich intensiv mit Mechthild von Magdeburg und durch ihre langjährige Dozententätigkeit in Magdeburg ist sie fest mit der Region verbunden.



In ihren Ausführungen beleuchtete die Expertin sowohl Mechthilds historische Wege zwischen Magdeburg und Helfta als auch die zeitlose Relevanz ihrer mystischen Friedens- und Glaubensbotschaft für die Gegenwart. Dabei wurde ebenso deren Entstehung aus der damaligen Armutsbewegung wie auch deren Bedeutung für die Gegenwart hervorgehoben. Es geht um Gravuren der Mystik in der Systematischen Theologie und Religion, in Ritual und Sakrament – Theologie als Heterologie.



Weitere Informationen findet ihr auf der Webseite des Bistums Magdeburg.