›Wie Heiratsmigrationen mittelalterliche Königinnen mobil machten‹ in Essen
Eheschließungen waren im Mittelalter weit mehr als private Entscheidungen – sie waren politische Strategie. Herrscher nutzten die ehelichen Verbindungen ihrer Töchter oder Schwestern, um Frieden zu sichern oder Macht auszubauen. Doch neue Forschungen zeigen: Viele dieser Frauen gewannen durch ihre erzwungene Reise in ein fremdes Reich überraschend Einfluss und Bewegungsfreiheit.
Heiratspolitik gehörte in allen dynastisch geprägten Reichen zu den wichtigsten Instrumenten herrscherlicher Macht. Neue Studien über das europäische Früh- und Hochmittelalter haben aber gezeigt, welchen Nutzen nicht wenige Frauen aus ihrer Zwangslage ziehen konnten. In seinem Vortrag stellt Professor Michael Borgolte die neuen Erkenntnisse darüber vor, wie königliche Heiratsmigrationen weibliche Selbstbestimmung stärkten und welche Bedeutung diese Form der Mobilität für die europäische Bündnispolitik hatte.
Professor Michael Borgolte zählt zu den angesehensten Mittelalter-Historikern Deutschlands. Er hat zahlreiche Monographien zur europäischen und globalen Geschichte des Mittelalters veröffentlicht. Seine aktuellen Forschungen widmen sich insbesondere der Migrationsgeschichte. 2024 erschien seine vielbeachtete Studie „Die Königin in der Fremde“, in der er die frühmittelalterliche Heiratsmigration und die Ursprünge europäischer Bündnispolitik untersucht. Eine weitere Arbeit zur hochmittelalterlichen Heiratsmigration ist derzeit in Vorbereitung. Ein spannender Einblick in eine Zeit, in der Frauen oft mehr bewirkten, als die Quellen lange vermuten ließen.
Der Vortrag findet am 13. Januar ab 18 Uhr im Domschatz Essen, Burgplatz 2, statt. Die Teilnahme ist kostenfrei; eine vorherige Anmeldung ist per E-Mail unter domschatz@bistum-essen.de oder telefonisch unter 0201/2204206 erforderlich.
Weitere Informationen zum Essener Domschatz findet ihr hier.