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Call for Papers: ›Vröide – Joie – Joye. Singen, Lachen, Tanzen, Trinken – Freude und Feste in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Literatur und Kunst‹

2027 feiert die Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft den 650. Geburtstag Oswalds von Wolkenstein – das ist ein Grund zur Freude. Auf der nächsten Tagung der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft, die vom 22. bis 25. September 2027in Brixen stattfindet, sollen deshalb Themen, Fragestellungen und Methoden zu dieser Thematik diskutiert und zugleich neue Impulse gesetzt werden.



‚Vröide‘/‚joie‘/‚joye‘ bildet einen wichtigen Bestandteil der vormodernen geistlichen wie weltlichen Kultur und Literatur Lateineuropas und lässt sich dementsprechend häufig beobachten. Neben der immer wieder thematisierten Freude in Gott (Gaudium, Jubilus bis hin zur Ekstase) wird die irdische Freude in der mittelhochdeutschen Literatur spätestens seit dem Eneasroman auf weltlich höfische Wonnen bezogen. Als konstitutives Element der höfischen Romane erweisen sich insbesondere die ritterlichen hochgezîten (Feste). Und in Hartmanns Erec erfahren wir, welche Folgen es hat, wenn die höfische Freude abhanden kommt.



Die Entfaltung und Ausstellung von Schönheit, Pracht und Reichtum, von hövescheit und zuht bei Tafelfreuden, Tanz, Unterhaltung, Turnier und Jagd sind Freuden der Gastgeber und Gäste gleichermaßen. Ein zentrales Element ist ‚vröide‘/‚joie‘/‚joye‘ gleichfalls im deutschen und ebenso im romanischen (Minne)Sang, zusammen mit ihrem Antonym Leid kann sie dort geradezu als ubiquitär bezeichnet werden. Eine Wortsuche in der Datenbank ‚Lyrik des Mittelalters‘ (LdM) liefert aktuell rund 1180 Nachweise für vröide, wobei Walther und Neidhart nicht einmal eingerechnet sind. In Oswalds Œuvre begegnen Freude und Feiern über einhundert Mal.



Mit methodischen Impulsen aus der historischen Semantik, der historischen Anthropologie, etwa der Emotionsforschung, aber auch mit Blick auf Performanz und Performativität soll die Darstellung und Bedeutung von vröide in den Literaturen und Kulturen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit noch einmal neu perspektiviert und beispielsweise auf ihre soziokulturellen oder ihre ästhetischen Emergenzen hin überprüft werden.



Daraus resultieren unterschiedliche Möglichkeiten für Tagungsbeiträge:



• Untersuchungsfelder könnten neben dem (Minne)Sang und den höfischen Romanen ebenso die Heldenepik, die historiographische oder die wissensvermittelnde Literatur sein. Interessant wäre neben der identitätsstiftenden Funktion von Freude und Festen gleichfalls die Auseinandersetzung mit gestörten Festen und Freuden, etwa in der Artusliteratur, im Willehalm (Munleun) oder im Nibelungenlied.

• Aus sprachhistorischer Perspektive ergeben sich Potenziale für (corpus)linguistische Analysen, durchaus auch im komparatistischen oder transkulturellen Vergleich.

• Insbesondere mit Blick auf Spätmittelalter und Frühe Neuzeit sind Vorträge erwünscht zu Freuden und Festen in der Stadt (religiöse Feste und deren Performanzen, Prozessionen, Liturgien, aber auch weltliche Vergnügungen wie Fastnacht/Karneval, Schützenfeste, Hochzeiten, Spiele, Meistergesang), zu Klöstern als Räume der Freude, zudem zu bäuerlichen/dörperlichen Freuden und Festen (Neidhart, Wittenwiler).

• Beachtung verdienen ebenso hochadelige, königliche und kaiserliche Hoffeste und deren Unterhaltungsaspekte im hohen (z. B. Mainzer Hoffest) wie im späten Mittelalter (etwa burgundische Hofkultur, Maximilian I.).

• Von großer Bedeutung erscheint darüber hinaus das Nachdenken über und die Darstellung von Freude, Gaudium, Jubilus in der geistlichen Literatur der Zeit, etwa in der Mystik, oder auch mit Blick auf das ‚Gaudium intellectuale‘, mit dem sich Nicolaus Cusanus beschäftigt.

• Willkommen sind zudem Beiträge über ‚andere‘, fremde Fest- und Feierkulturen, wie sie beispielsweise in Reiseberichten Erwähnung finden.



Explizit wünschen sich die Veranstalter Tagungsbeiträge auch aus anderen Disziplinen (Philologien, Geschichte, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft etc.), die sich zum Beispiel mit der Sachkultur bei mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Festen (Musik, Tanz, Essen, Trinken, Turniere) oder mit künstlerischen Darstellungen von Freuden und Festen in Wandmalerei und Buchmalerei beschäftigen könnten. Denkbar sind gleichfalls Auseinandersetzungen mit mittelalterlichen Freuden und Festen in der neuzeitlichen Rezeption (Medievalism, Buch, Film, Theater, Gaming). Und schließlich können ebenfalls didaktische Aspekte Berücksichtigung finden, die das Konzept der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen ‚Vröide‘ z. B. im Deutsch- oder Geschichtsunterricht behandeln und solcherart vielleicht sogar Freude am Unterricht vermitteln.



Ausdrücklich ermuntern die Veranstalter Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler dazu, Vorschläge für einen Vortrag einzureichen.



Die Veranstalter freuen uns auf Exposés (1–2 Seiten) bis zum 31. Dezember 2026, die bitte zugleich an beide Veranstalter geschickt werden:

Prof. Dr. Lina Herz: lina.herz@uni-hamburg.de

Prof. Dr. Bernd Bastert: bernd.bastert@rub.de



Weitere Informationen zur Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft findet ihr auf deren Webseite.