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Wie faul war Wenzel der Faule?: mit Christian Oertel

Der römisch deutsche König Wenzel hält den Rekord an übler Nachrede unter den Königen und Kaisern in der deutschen Geschichte. Wenzel, der Sohn von Karl IV., regierte 22 Jahre lang das römisch-deutsche Reich. Zumindest sah er das so. Die Kurfürsten waren anderer Meinung und setzen Wenzel nach 22 Jahren ab. Wegen Untätigkeit. Sie nannten ihn „unwürdig“ und „unnütz“. Eine beispiellose Demütigung. Zusätzlich verunglimpfte ihn der Papst. Wenzel hätte nicht nur einen verdorbenen Charakter, sondern sei weitgehend untätig geblieben, schrieb er 50 Jahre nach Wenzels Tod. Mit dem vernichtenden Urteil des Papstes bekam Wenzel in der Geschichtsschreibung den Beinnamen: „der Faule“.



Schon zu seinen Lebzeiten häuften sich Horrorgeschichten von Peitschen und Kampfhunden, mit denen er auf Untergebene losgegangen sein soll. Er habe Löwen zur Einschüchterung seiner Gegner gehalten, Reliquien zerstört und Prag angezündet. Dabei wäre er der Völlerei und der Trunksucht verfallen.



Doch was ist dran an den Vorwürfen? Sie alle haben eines gemeinsam: Sie stammen von seinen Gegnern. Der Papst verachtete ihn, weil Wenzel als König von Böhmen den Reformator Jan Hus unterstützte. Wenzel selber kümmerte sich nicht um breitenwirksame Gegen-PR, sondern ließ erlesene Prachthandschriften herstellen, die seine Königswürde beweisen sollten.



Vielleicht war er kein "natural born leader", sagt der Historiker Christian Oertel, aber ganz so schlimm, wie ihn seine Gegner zeichneten, wird er wohl nicht gewesen sein. Im Gegenteil: Vielleicht war er seinen Zeitgenossen in manchen Punkten seiner Herrschaftspraxis einfach weit voraus...



Der Podcast erschien das erste Mal auf der Webseite von Wer wir sind und warum das nicht klappte.