›Barbarossa: Die Kunst der Herrschaft‹ im LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster
Tobias Enseleit
Friedrich I. Barbarossa – der römisch-deutsche König und Kaiser zählt neben Richard Löwenherz und Karl dem Großen zu den bekanntesten Herrschern des Mittelalters. Nun widmet sich anlässlich seines 900. Geburtstags unter den Titeln ›Barbarossa: Die Kunst der Herrschaft‹ und ›Das Vermächtnis von Cappenberg‹ eine aufwendige Doppelausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster und auf Schloss Cappenberg dem facettenreichen Wirken und Leben des Staufers.
Jedem der fünf inhaltlichen Schwerpunkte der Ausstellung ist ein eigener Raum gewidmet, der das Thema und die Exponate anschaulich in Szene setzt.
Damit hat sich das Team um die Kuratorin Dr. Petra Marx einer großen Herausforderung gestellt, denn Barbarossa herrschte beinahe vierzig Jahre lang, war als typischer mittelalterlicher Reiseherrscher beinahe ununterbrochen unterwegs, zog mit seinem Gefolge mehrmals nach Italien, nach Frankreich, zweimal ins Heilige Land (das zweite Mal ohne Rückfahrschein) und war auch im deutschen Reich ständig auf dem Pferderücken, um seine Interessen durchzusetzen.
Schachfigur, König, um 1200.
Sogenannte Taufschale Kaiser Friedrichs I. Barbarossa, Mitte 12. Jahrhundert, Gravuren und Teilvergoldung nach 1170.
Goslarer Kaiserstuhllehnen (um 1060/80) vor einer Reproduktion der berühmten Barbarossa-Miniatur aus der Welfenchronik.
Spätestens seit Friedrichs Kaiserkrönung im Jahr 1155 war sein Hof eines der bedeutendsten Zentren der westlichen Welt, sodass Barbarossa mit fast allen wichtigen Personen seiner Zeit in Kontakt kam. Unter seiner Herrschaft erblühten das Rittertum sowie die höfische Kultur, während auf der anderen Seite ganze Landstriche auf seinen Befehl hin verheert wurden.
All diese Aspekte in einer Ausstellung auch nur annähernd darzustellen, ist kaum möglich. Die Sonderausstellung hat sich deswegen in kunst- und kulturhistorischer Perspektive über wohlüberlegte Inhaltsschwerpunkte Barbarossa zu nähern versucht, die in ihrer Umsetzung und durch mitunter berühmte Exponate reizvoll inszeniert wurden.
›Barbarossa: Die Kunst der Herrschaft‹: Im Interview mit Dr. Petra Marx: Wir konnten mit Frau Dr. Petra Marx, der Kuratorin der Mittelaltersammlung im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, über die Idee und die Konzeption der Ausstellung sprechen und erfahren, was alles passieren muss, bis aus einer ersten Vorstellung eine realisierte Ausstellung wird. Hier geht’s zum Interview.
Fünf Facetten von Barbarossa und seiner Zeit – und noch ein wenig mehr
Die Schau im LWL-Museum für Kunst und Kultur widmet sich in fünf Themenbereichen Friedrich I., fragt danach, was uns die verschiedenen Quellengattungen über seine Person verraten, und stellt Vertreter aus Barbarossas politischem Netzwerk vor wie Heinrich den Löwen oder Christian, den Erzbischof von Mainz, die lange Zeit als wichtige Stützen des Reiches fungierten. Geweitet wird dann der Blick auf die Welt des 12. Jahrhunderts, die durch Pilgerreisen, Kriegszüge und Handel erschlossen war, um abschließend den Fokus auf die staufische Kunst und Kultur in Westfalen zu legen.
Bereits die Eröffnung lockte zahlreiche Besucherinnen und Besucher ins Museum.
Auch wenn Münster und seine Umgebung lediglich an der Peripherie von Barbarossas Interessensschwerpunkt lagen, gab es persönliche Beziehungen des Staufers nach Westfalen, die sich in beeindruckenden Kunstwerken niedergeschlagen haben. So steht etwa im Zusammenhang mit Barbarossas Taufe eine silberne Handwachsschale, auf der die Taufe Friedrichs dargestellt ist (s. o.). Pate des (späteren) Kaisers war Otto von Cappenberg, ein entfernter Verwandter von Barbarossas Vater Friedrich II. von Schwaben. Und auch der berühmte Cappenberger Kopf ist ein Highlight der Ausstellung, auch wenn sie seine Interpretation als Darstellung Barbarossas stichhaltig zurückweist.
„Gesicht“ und ein Highlight der Ausstellung ist der Cappenberger Kopf, in dem man lange Zeit ein Abbild Barbarossas gesehen hat.
Auf diese Weise gelingt der Ausstellung durch ihren zweiten Standort eine regionale Verortung, die seinerzeit für Barbarossa wohl nicht von Bedeutung war, aber nicht zuletzt durch die Qualität der dort situierten Exponate eine Schau zu Barbarossa in Westfalen zusätzlich legitimiert. Die Ausstellung auf dem sehenswerten Schloss Cappenberg stellt dann auch „auf historischem Boden“ die Stiftskirche sowie die Stiftsgründung mit ihrem Bezug auf Barbarossa vor und beschäftigt sich mit der monumentalen bildlichen Rezeption des Staufers im 19. Jahrhundert.
Die Stiftskirche in Cappenberg wird selbst zum Museum.
Ein Herrscher zwischen mittelalterlicher Überlieferung und populärkultureller Rezeption
Mittelalterliche Herrschaft begreifbar zu machen, ist im Kontext einer Ausstellung, die traditionell ihren Fokus auf die Exponate legt, herausfordernd – nicht zuletzt, weil sich uns die Mechanismen und Regeln, nach denen Herrschaft funktionierte, auch aus den schriftlichen Quellen heraus nicht sofort erschließen. Mit ihrem Fokus auf das persönliche Netzwerk Barbarossas (auch in den figürlichen Adaptionen durch den Künstler Niklas Schwartz anschaulich gemacht) zeugt die Ausstellung von der wissenschaftlichen Beratung, die sich auch im vielfältigen Rahmenprogramm für interessierte Besucherinnen und Besucher widerspiegelt.
Barbarossas Gemahlin Beatrix von Burgund erwartet in moderner Adaption ebenfalls die Besucherinnen und Besucher.
Schaut man in die populärkulturelle Darstellung von Barbarossa, wie sie uns in Spielfilmen und Videospielen begegnet, so gilt der Staufer nach wie vor als großer Herrscher, der das fragmentierte Deutschland in seiner Hand vereinte. Die mediävistische Forschung hat diese Vorstellung zwar bereits seit Jahrzehnten desavouiert und Barbarossas Wirken aus den kulturellen, religiösen und politischen Vorstellungshorizonten seiner Zeit heraus erklärt.
Der Konflikt mit seinem Cousin Heinrich dem Löwen ist bis heute präsent. Dabei zählte der Welfe, dem natürlich auch ein Teil der Ausstellung gewidmet ist, über viele Jahre zu Barbarossas größten Unterstützern.
Aber geschichtskulturelle Bilder zu ändern, kann ein langwieriger Prozess sein – Museen und ihre Ausstellungen nehmen hier an der Grenze zwischen mediävistischer Forschung und einem breiteren öffentlichen Interesse eine Schlüsselposition ein. Besucherinnen und Besucher von ›Barbarossa: Die Kunst der Herrschaft‹ werden Friedrich I. mit Sicherheit differenzierter betrachten.
Die Protagonisten der Ausstellung begrüßen Besucherinnen und Besucher an beiden Museumsstandorten, hier in Cappenberg: Gottfried von Cappenberg.
Papst Honorius II.
Der streitbare Graf Friedrich von Arnsberg.
In diesem Kontext und mit dem Anspruch, Geschichte für ein modernes Publikum anschaulich zu machen, ist für die Barbarossa-Ausstellung der Animationsfilm ›Cappenberg 1122‹ entstanden, der mit viel Augenzwinkern, ein bisschen Klischee, aber vor allem viel Liebe fürs Detail die Geschichte der Brüder Gottfried von Cappenberg erzählt, die die Zerstörung des Münsteraner Doms und großer Teile der Stadt zu verantworten hatten und sich daraufhin in einer Aufsehen erregende conversio für ein geistliches Leben entschieden:
Damit macht der etwa zehnmütige Film nicht nur die Bezüge zu den Ausstellungsorten Münster und Cappenberg deutlich, natürlich spielt auch Barbarossa eine – im Wortsinne – kleine Rolle.
Themenreihe ›Friedrich I. Barbarossa‹: Wenn euch Friedrich Barbarossa näher interessiert, besucht uns gerne auf Instagram und Facebook. Dort findet ihr eine ausführliche und anschauliche Themenreihe, die alle Aspekte um den kaiserlichen Staufer beleuchtet.
Alle weiteren Informationen zur Ausstellung und zum Rahmenprogramm findet ihr auf der Webseite des LWL-Museums für Kunst und Kultur Münster.