Höfische Kultur: Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter
Tobias Enseleit
Unter der Vielzahl an Forschungsliteratur, die alljährlich erscheint, gibt es ausnehmend wenig Beiträge, die zwei Dinge auf sich vereinen: über die eigenen Fachgrenzen hinaus wahrgenommen zu werden und gleichzeitig auch für Nichtwissenschaftler interessant zu sein. Ein solcher Titel ist die ›Höfische Kultur‹ des renommierten Germanisten Joachim Bumke († 2011). Bereits 1986 erschienen, zählt sie zahlreiche Auflagen später noch heute zur Standardlektüre bei Historikern, Germanisten und allen, die sich fürs Mittelalter begeistern können.
Höfische Kultur – unter diesen Begriff fällt sehr viel von dem, was wir gemeinhin mit der Epoche des Mittelalters verbinden: Rittertum und Minnesang, Herrschaftsstrukturen und Kriegsführung, Ess- und Trinkgewohnheiten, Mode, Gesellschaftsideale und vieles anderes mehr. Joachim Bumke gelingt es, diesen komplexen Bereich auf Grundlage vornehmlich literarischer (also nicht historiographischer) Quellen ganzheitlich und anschaulich zu beleuchten.
Obwohl seitdem zahlreiche überaus kluge Beiträge zur höfischen Kultur erschienen sind (die sich auch durchaus kritisch mit Bumkes Werk auseinandersetzen) und der Autor selbst eine kritische Bestandsaufnahme zu seinem Thema veröffentlicht hat, dürfen Interessierte und Studienanfänger für einen unterhaltsamen wie fundierten Einstieg in die Kultur des Mittelalters bedenkenlos zugreifen – zumal Bumke alle Quellen zusätzlich auch in neuhochdeutscher Übersetzung präsentiert.