Der Sonntag von Bouvines
Tobias Enseleit
Wehende Banner, in der Sonne glänzende Rüstungen, Drachen, Löwen und Einhörner, die sich auf Schilden und Pferdedecken tummeln, bis sie im tosenden Klang von Stahl auf Stahl aufeinander losgehen: Ritterschlachten sind für uns fester Bestandteil des Mittelalters, und doch waren sie, insbesondere mit königlicher Beteiligung, ein seltener Anblick! Eine der bedeutendsten Ritterschlachten des Hochmittelalters fand im Jahr 1214 in Bouvines statt, zwischen den Heeren des französischen Königs Philipp August und des römisch-deutschen Kaisers Otto IV.
Ebenso unterhaltsam wie informativ setzt sich der große französische Mittelalterforscher Georges Duby mit der historischen und kulturgeschichtlichen Bedeutung der Schlacht auseinander. Er beleuchtet nicht nur Verlauf und Rezeption der Auseinandersetzung, sondern auch ihren kulturgeschichtlichen Hintergrund:
Wieso ist es von Bedeutung, dass die Heere an einem Sonntag aufeinandertrafen? Wie setzten sich die Armeen zusammen? Welche narrativen Absichten verbergen sich in der Beschreibung der Waffen?
Zusammen mit einer Übersetzung der ausführlichsten Schlachtschilderung des Chronisten Wilhelm Brito stellt Dubys ›Der Sonntag von Bouvines‹ eine wahrlich lesenswerte Einführung in die Thematik dar.