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Herbst 2022: Das Mittelalter in Museen

Nach einer langen Durststrecke widmen sich aktuell und in Bälde zahlreiche renommierte Museen in ganz Deutschland in aufwendigen Sonderausstellungen der Epoche des Mittelalters – die ideale Gelegenheit, verschiedenste Facetten der Zeit kennenzulernen. Wir geben einen Überblick über alle Ausstellungen, die sich auf euren Besuch freuen:



›Barbarossa: Die Kunst der Herrschaft‹ im LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster

Er zählt neben Karl dem Großen und Richard Löwenherz zu den bekanntesten Herrschern des Mittelalters: Friedrich I. (* um 1122; † 1190). Dieses Jahr feiert der Staufer mit dem sprechenden Namen Barbarossa (Rotbart) seinen (wahrscheinlich) 900. Geburtstag.



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Zu diesem Anlass widmet sich ab dem 14.09.2022 bzw. 28.10.2022 unter dem Titel ›Barbarossa: Die Kunst der Herrschaft‹ eine große Sonderausstellung im LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster und im Schloss Cappenberg dem umtriebigen Herrscher, der beinahe 40 Jahre lang regierte. Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf hochkarätige Exponate freuen, welche das 12. Jahrhundert (und seine Rezeption) erfahrbar machen.



Wir werden die Ausstellung in einer großen Themenreihe begleiten und konnten mit der Kuratorin Dr. Petra Marx ein Interview führen zur Idee und dem Konzept hinter der Ausstellung, zu ihrer Umsetzung und natürlich über Barbarossa selbst. Ihr findet das Interview wie immer ebenfalls auf unserer Webseite!



Haltet also die Augen und Ohren offen – bald geht es los! Münster ist darüber hinaus jede Reise wert, sodass es für Mittelalterfans eigentlich keine Ausrede mehr geben kann, dem rotbärtigen Kaiser hier einen Besuch abzustatten.



›Die Normannen‹ in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim

Die Normannen kommen! Vom 18.09.2022 bis 26.02.2023 widmet sich eine große und lang vorbereitete Sonderausstellung der faszinierenden Geschichte der Normannen, die als plündernde Wikinger ab dem 7. Jahrhundert viele Orte in Europa und darüber hinaus in Angst und Schrecken versetzten, bis aus ihnen in einem langwierigen Prozess Normannen wurden – christliche Ritter, die Süditalien, Sizilien und sogar das Heilige Land für sich beanspruchten!



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Die Geschichte der Normannen ist die Geschichte von Mobilität, Eroberung und Innovation. Sie hat die Entwicklung Europas maßgeblich mitgestaltet. Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Museumsverband ›Réunion des Musées Métropolitains‹ in Rouen (Normandie) entwickelt und präsentiert, beleuchtet anhand 300 hochkarätiger Leihgaben aus großen europäischen Sammlungen hochaktuelle politische und gesellschaftliche Fragen aus historischer Perspektive. Kostbare Kunstgegenstände, Präziosen sowie Waffen und exotische Handelswaren spiegeln den kulturellen Austausch von Orient und Okzident wider.



Die ideale Gelegenheit für all die Wikingerfans hier im Lande, die Geschichte der Nordmänner und -frauen im musealen Kontext kennenzulernen!



Wir durften bereits recht zu Beginn der Konzeption der Ausstellung ein Interview mit Dr. Viola Skiba führen, welche die Ausstellung verantwortet – schaut gerne rein!



Und wenn ihr noch mehr zu Wikingern und Normannen lesen möchtet: Auf Instagram haben wir im Feed eine eigene Themenreihe und auf unserer Webseite eine ganze Reihe spannender und bunter Artikel und Interviews: Einführungen zu Wikingern und Normannen, Beiträge zu ihrer popkulturellen Darstellung (etwa in ›Vikings‹ oder ›Assassin’s Creed: Valhalla‹), zur Sagaliteratur oder zu ihren (geraubten) Schätzen – viel Spaß beim Lesen!



›Mönch ärgere dich nicht‹ im Museum der Abtei Liesborn

Gemeinsam mit dem Projekt ›Boardgame Historian‹ hat die Abtei Liesborn eine Sonderausstellung auf den Weg gebracht, welche seit dem 28.08.2022 das klösterliche Leben des Mittelalters im Gesellschaftsspiel beleuchtet.



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Klingt cool? – Ist es auch! Denn Mönche, Nonnen, Architektur und alles, was zum Thema Kloster gehört, wird in Gesellschaftsspielen breit rezipiert – sowohl im historischen Setting als auch in der Fantasy und sogar in der Sci Fi!



Damit gibt es in der Ausstellung so einiges zu entdecken, die auch viel darüber verrät, wie und wieso Geschichte heute überhaupt so dargestellt wird wie sie dargestellt wird.



Wieso Museum und Gesellschaftsspiele eine spannende Kombination bilden und wie die Ausstellung von der Idee zur konkreten Umsetzung entstanden ist, berichten Sebastian Steinbach, Leiter der Abtei Liesborn, und Lukas Boch von ›Boardgame Historian‹ im Interview – wie immer auf unserer Webseite!



›Magie Bergkristall‹ im Museum Schnütgen

Das Mittelalter war alles andere als finster: Insbesondere Edelsteine spielten im religiös-kulturellen Horizont und in der Kunst eine enorme Rolle, nicht nur aufgrund ihrer Seltenheit, Schönheit und ihres Wertes, sondern weil sie auch eine Schnittstelle zum Bereich des Göttlichen bildeten.



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Vom 25.11.2022 bis zum 19.03.2023 widmet sich im Museum Schnütgen in Köln eine Sonderausstellung einem ganz besonderen Material: dem Bergkristall.



Lichtdurchlässig, klar und edel fand der Bergkristall, der bereits in der Antike geschätzt wurde, im Christentum rasch seinen Platz in sakralen Kontexten, wurde etwa mit der reinen Gottesmutter Maria in Verbindung gebracht und in unzähligen Kunstgegenständen auf höchstem Niveau verarbeitet.



Etwa 130 dieser Objekte, die aus internationalen Sammlungen stammen, sind ab November in der Ausstellung zu sehen und finden im Museum Schnütgen, das auch über eine wunderbare eigene Sammlung verfügt, ideale Voraussetzungen für eine „magische“ Inszenierung. Wer also einmal richtig tief in den Kultur- und Wissenshorizont des Mittelalters abtauchen möchte, sollte unbedingt nach Köln reisen!



Wir werden die Ausstellung ab dem 25. November mit einer eigenen Themenreihe auf Instagram und Facebook zur Wissens- und Wissenschaftsliteratur des Mittelalters begleiten – freut euch schon auf magische Edelsteine, phantastische Wesen, erzählende Weltkarten und vieles mehr!



›Der Untergang des römischen Reiches‹ in Trier

Mit dem Untergang des römischen Reiches begann… das Mittelalter – jedenfalls in einem jahrhunderteandauernden Prozess, der von späteren Generationen als Umbruchszeit wahrgenommen und bewertet wurde.



In Trier widmet sich seit dem 25.06.2022 und noch bis zum 27.11.2022 eine große Landesausstellung dieser Übergangszeit, in der die antike Weltordnung erst herausgefordert und dann von germanischen Stämmen zerschlagen wurde, die aus den Scherben nach und nach etwas Neues formten.



Gleich drei museale Standorte setzen sich in Trier mit unterschiedlicher inhaltlicher und zeitlicher Schwerpunktsetzung mit dem Thema auseinander:



Während das Rheinische Landesmuseum in der zentralen Ausstellung ausführlich die Geschehnisse im 4. und 5. Jahrhundert beleuchtet, nach den Gründen für den Untergang des römischen Reiches fragt und darstellt, welche Aspekte römischer Kultur verloren gingen oder ins Mittelalter hinübergetragen wurden, blickt das Museum am Dom Trier unter dem Titel „Im Zeichen des Kreuzes – Eine Welt ordnet sich neu“ auf die Transformationsprozesse des Frühmittelalters, in denen sich die christliche Kirche als zentrale Instanz etablierte. Abgerundet wird die Beschäftigung mit dem Thema durch das Stadtmuseum Simeonstift, das sich dem Fortleben des römischen Reiches in der Kunst- und Kulturgeschichte widmet.



Als epochenübergreifende Ausstellung bietet die Landesausstellung damit Geschichte für viele Geschmäcker, zumal in Trier das antike Erbe noch bis heute besuch- und erfahrbar ist.



›Die Habsburger im Mittelalter: Aufstieg einer Dynastie‹ in Speyer

Aus Anlass des 750. Jubiläums der Thronbesteigung Rudolfs I. widmet sich im Historischen Museum der Pfalz Speyer eine Landesausstellung dem Aufstieg der Habsburger im Mittelalter und beleuchtet dabei die Zeit von Rudolf I. bis Maximilian I.



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Die Dynastie der Habsburger prägte über Jahrhunderte die Geschicke Europas. Die Wurzeln der Familie, die als „Haus Österreich“ bekannt wurde, liegen jedoch unter anderem im Südwesten Deutschlands. Rudolf I., der 1273 als erster Habsburger zum König des Heiligen Römischen Reiches gewählt wurde, legte den Grundstein für den Aufstieg vom Grafen- zum Kaiserhaus. Als er am 15. Juli 1291 in Speyer starb, wurde er Kaiserdom zu Speyer beigesetzt.



Die Ausstellung nimmt ihren Ausgangspunkt in der Grablege Rudolfs I. und seines Sohnes Albrechts I. und erzählt von hier aufbauend die Geschichte der Habsburger durch das europäische Mittelalter. Sie folgt den Kämpfen um die Königsherrschaft im 13. und 14. Jahrhundert und dem Erstarken des Hauses Österreich im Schatten der Krone bis zur Rückkehr auf den Thron mit Friedrich I. sowie Maximilian I. zu Beginn des 16. Jahrhunderts: 300 Jahre Reichsgeschichte und zugleich eine Erfolgsgeschichte mit schicksalhaften Umwegen und Brüchen.



Alle weiteren Informationen zur Ausstellung, die bis zum 16.04.2023 zu sehen sein wird, findet ihr auf der Webseite des Museums.